Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 41.1926

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schmückt Mariä Verkündigung, der Engel in weißer Albe mit rotbrauner
Stola, Maria in violett-brauner Gewandung, eine Lilie vor sich, die Untcr-
arme am Körper anliegend, die Hände wie empfangend ausgebreitet, das
Haupt von einem Strahlenkranz umgeben. Ans einer Wolke oben links strö-
men Lichtstrahlen auf sie hernieder.

Wer von den Nazarenern herkommt mit ihren scharfen Konturen und der
klar durchschimmernden Anatomie, der ist zunächst überrascht. Es ist eine neue
Knnstauffaffung. Wer aber die Demut und Ergebung dargestellt haben
möchte, den wird Maria bei der Verkündigung wohl befriedigen, oder wer die
Anbetung variiert wünscht, der wird sich an den Engeln der Chorseite erbauen.
Es handelt sich also nicht um peinlich genaue Illustration zu biblischen oder
legendarischen Episoden, sondern um Ausdruckskunst, und die wird hier ge-
boten, und zwar in einer Form, die ihren Eindruck sicher nicht verfehlt, wenn
man sich ihr ohne Voreingenommenheit hingibt.

Wohltuend berührt auch die Harmonie zwischen figürlichem lind dekora-
tivem Schmuck. Es ist letztere kein Malen nach Schablonen, die man immer
wieder hervorzieht, sondern auch hier wird Individuelles und Persönliches
geboten.

Vergleicht man frühere Werke Blepps — ich denke namentlich an Alt-
stadt bei Rottweil —, so läßt sich ein deutlicher Fortschritt nicht verkennen.
Der Künstler ist noch im Werden begriffen. Aber die italienischen Studien
sind ihm zugute gekommen. Möge er rastlos an sich selber Weiterarbeiten und
sich die Mühe nicht verdrießen lasten. Die bisherigen Erfolge lasten weitere
hoffen. Er kann für Kirchenarbeiten empfohlen werden.

3. Die Kirchenerneuerung in Dauchinge».

Wie schon öfter, so wurden auch in Dauchingen bei Villingcn die Vor-
stände unseres Kunstvereins zur Beratung bzw. Begutachtung des Erncue-
rungsplancs herangezogen, also außerhalb unserer Diözese um ihre Mitwir-
kung gebeten. Die Ausführung übernahm Blepp nach Verständigung mit
Herrn Pfarrer Pfeffer, Lautlingen (vgl. den Bericht über Eisenharz). Es
handelte sich in Dauchingen um einen neugotischen, in der Konstruktion nicht
ganz glücklichen Bau des vorigen Jahrhunderts, dem nun durch die Farbe
mehr Charakter geschaffen werden sollte. Es ist erreicht. Der Chor erhielt ein
dezent rötliches Kolorit, die Fensterleibungen einen lichteren Ton derselben
Farbe, das Schiff einen lichtgelben, die Säulen einen fast weißen, der Sockel
der Seitenwände einen graulichgelben, die Decke einen ganz lichtgelben, die
Latten und Nahmen den des Chors. Schiff und Chor unterscheiden sich also
deutlich und stimmen doch gut zusammen. Dabei ist die ganze Behandlung
eine flächenhafte, unter fast völligem Verzicht auf Ranken, Friese usw. Nur
der Übergang vom Sockel zum oberen Teil im Schiff ist etwas betont. Diese
Behandlungsweise läßt den figürlichen Schmuck desto deutlicher hervortreten:
im Scheitelpunkt des Chorbogens das Brustbild Gott Vaters mit dem
Svnibol des Heiligen Geistes, unter denen ein Kreuz mit Christuskörper an-

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