Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 41.1926

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gebracht ist, zu beiden Seiten anbetende Engel — fast durchweg im Kolorit
des Chors, denen sich Heilige anschließen (Anna, Veronika, Elisabeth, Klara,
Agnes, Cacilia auf der einen, Moses, Petrus, Ignatius, Franziskus, Aloisius,
Konrad auf der anderen Seite), eine anschauliche Illustration zu dem „Pleni
sunt coeli et terra gloria tua“ und eine eindringliche Mahnung und Aufmun-
terung an die Gemeinde. Unten folgen wieder Engelgruppen, die als Geleit
für die Heiligen der Seitenaltäre gedacht sind, alte, wohlerhaltene und in die
neue Umgebung nach einer leicht zu bewerkstelligenden Restauration gut
paffende Figuren von ganz respektablen Dimensionen, die in der für sie in
Aussicht genommenen Umgebung auch ohne das herkömmliche Hauptgehäuse
für die Mittelfigur und die Seitennischen für die ebenso herkömmlichen
Nebenfiguren ihre Wirkung sicher nicht verfehlen. Also auch hier ein deut-
liches Mitreden der Farbe und Fläche, aber nur, um die Figuren hervorzu-
heben — in gewissem Sinn eine neue Art von Innendekoration, die freilich
nicht wie eine Offenbarung von Anfang an feststand, sondern erst aus manch-
mal ziemlich temperamentvollen Erörterungen des Für und Wider sich herauS-
kristallisierte, aber heute schon als in der Hauptsache gelungen bezeichnet wer-
den kann. Selbstverständlich erhielten auch Hochaltar, Kanzel, Taufstein usw.
eine zur neuen Fassung der Kirche passende Tönung. — Ein Vergleich mit
dem nicht gar weit abgelegenen Altstadt bei Rottweil, wo Blepp früher malte,
zeigt einen bedeutenden Fortschritt und eine wesentlich verständlichere Formen-
sprache, bedingt durch das Abrücken von ,,moderner" Kunstauffassung und
Annäherung an die guten alten Überlieferungen und gefördert durch das
Studium der Altmeister monumentaler Malerei in Italien. Das Gesamt-
urteil ist ungefähr dasselbe wie bei der Arbeit in Eisenharz, nur insofern be-
kommt es eine noch etwas beifälligere Note, als hier mehr Abwechslung,
größere Mannigfaltigkeit und dennoch eine einheitlichere Gesamtwirkung zu
konstatieren sind. Möge Blepp sich konsequent weiterentwickeln.

4. Die f i n a n z i e l l e Seite der N e u f r a e r Kirchen-
erweiterung ').

In der Zeit der „Umwertung aller Werte" spielt die Geldfrage eine
große Rolle. Ein Überblick über die Ausgaben für die Kirchenerweiterung in
Neufra bei Rottweil dürfte also willkommen sein als Orientierung wie als
wirtschaftsgeschichtliches Dokument.

Die einzelnen Posten (in Goldmark umgerechnet) sind: Architektenlohu
103,20 M., Maurerarbeitslohn 314,10 M„ Materialien 410,11 M. (Zie-
gel und Hausteine schenkt die Gemeinde), Bauholz und Bretter 681,59 M.,
Zimmermanns- und Schreinerarbeitslohn 289,28 M., Glaserarbeit (2 große
und 5 kleine Fenster) 39,71 M., Schmied- und Schlosserarbeitslohn 6,77 M.,
Material 63,26 M., Flaschnerarbeit 10,14 M., Gipserarbeit: Löhne
187,42 M., Material 155,38 M., elektrische Beleuchtung: Material

') Vgl. dazu die Mitteilung der vorige» Nummer. Die Umrechnung ist von H. Pfarrer Küster,
Neufra.

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