Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 41.1926

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feine Zierde der Kirche waren. Der Hochaltar hatte einen Drehtabernakel,
flankiert von anbetenden Engeln und Putten. Letztere muffen wohl, wie die
zwei einzigen ursprünglichen, unten am IosephSaltar befindlichen, von her-
vorragender Schönheit wie von üppiger Nacktheit gewesen sein. Sie mußten
einen: süßlichen Kitsch Platz machen. Sogar den guten Aufbau des Taber-
nakels verunstaltete man durch eine ornamentierte Rückwand und die Ein-
setzung eines festen Tabernakels mit geschmacklosen Türen. Jetzt haben wir
wieder eine Nische mit Muschel. Zwei schöne alte, bei Antiquar Biechele
(Ochsenhausen) gekaufte Barockengel im richtigen Größenverhältnis und zwei
neue Putten, von Witzgall (Biberach), nach Zeichnung von Hammer ange-
fertigt, füllen die Seiten des Tabernakels. Zwischen Expositionsnische und
Mensa wurde ein Ziboriumstabernakel eingesetzt mit getriebenen Metall-
türchen. Der Altar wirkt jetzt wieder fein und ursprünglich und hebt sich von
dem ruhigen dunklen Gemälde imponierend ab. Alle drei Altäre mußten von
nnpaffender Goldfaffung und einer schmierig-schmutzigen Ol- und Lackschicht
befreit und poliert werden, eine mühevolle Arbeit für den Marmoristen
Steißlinger (Göppingen). An allen Altarfiguren wurde die schlechte farbige
Fassung der 1880er Jahre entfernt und nur Weiß und Gold angewendet.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die zwei unteren Putten des IofephS-
altarS, die in ihren anmutigen Bewegungen, ihrer vortrefflichen anatomischen
Behandlung und ganz besonders durch den wunderbaren andachtsvollen Aus-
druck den Beschauer stets aufs neue fesseln. Kanzel und Orgel erhielten keine
Marmorierung, da sie aus Holz bestehen. In Weiß und Gold wirken sie mate-
rialechter und konkurrieren nicht in unberechtigter Weise mit dem Stuck-
marmor, der ja stets dem echten Marmor am nächsten bewertet wird. Die
14 Apostelbilder von 1773 waren gut erhalten. Nach Aussage der alten Be-
wohner waren einst kleine alte Stationen in der Kirche in ovaler Form, etwa
1880 entfernt, wofür ein Führichkreuzweg mit ungeheuren Eichenrahmen ein-
gesetzt wurde. Eö wurden alte Rokokostationen, stammend aus der Pfarrkirche
zu Reinstetten, angekauft, die neue Ovalrahmen und alte Aufsätze erhielten.
Der Kirchenpatron, St. Pankratius, eine Holzfigur etwa 1700, grüßt aus
einer Wandnische in der Vorhalle. Die Holzfiguren von etwa 1880 wurden
in zwei Gruppen int Chor untergebracht. So ist die Kirche im großen und
ganzen wieder hergestellt im Geiste der Zeit, wo der letzte Abt von Ochsen-
hausen, Romuald, die Kirche zu Mittelbuch herstellte.

Die sl. Deliskirche in Stuttgart.

Von Prof. Dr. I. Rohr-Tübingen.

Der Charakter unsres Organs als „Archiv" rechtfertigt eine Würdigung
der neuerbauten St. Fideliskirche, obgleich schon die Tagespresse eine solche
brachte. Der Zweck war eine Entlastung der St. Eberhards- und St. Elisa-
bethenpfarrei. Damit war die ungefähre Lage bereits bestimmt. Bis zur
konkreten Lösung brauchte es freilich noch einen weiten Weg (Hölderlinplatz,
Ecke Azenberg-Wiederholdstraße, Ecke See- Wiederholdstraße, Rosenberg-

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