Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 41.1926

Seite: 30
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Farbe an das Himmelsbrot erinnern soll. Den NoduS schmücken große LapiS-
lazuli-Steine, deren Zwischenräume mit zarten Drahtbelötnngen ausgefüllt
sind. Der untere Teil der Kuppa ist mit Ölzweigen in Email geziert, die sich
atif das untere Schriftband beziehen: sicut novellae olivarium ecclesiae
filii sint in circuitu mensa Domini. Über dem Schriftband sind vier
Emailbilder: Christus als Hoherpriester, mit einem goldenen Kranz um-
fchlosien und der Iahrzahl 1875, erinnernd an das goldene Priesterjubiläum
des Bischofs; rechts und links des Bischofs Namenspatrone Paul und Wil-
helm und das Bischofswappen mit silbernem Kranz umrahmt. Die dazwi-
schen liegenden Felder tragen Filigranarbeit ans poliertem Untergrund mit
echten Steinen dazwischen. Darüber läuft wieder ein Schriftband um die
Kuppa mit der Inschrift: rnernoriarn fecit mirabilium suorum misericors
et miserator Dominus 1925. Die filigranartig aufgesetzte Krone trägt
große dreieckige Karneole und grüne Chrisoprase. Das Ganze ist vergoldet
und auf ruhige Linienführung und einheitliche Silhonettenwirkung kom-
poniert. Der Dekor ist formbetonend und bringt die Farben zu festlichem
Zusammenklang. Beide Werke sind ein neuer Beweis von der Tüchtigkeit
und dem künstlerisch entwickelten Geschmack des Meisters.

3. Durch die Schöpfung der beiden IubiläumSkronen für den Rotten-
burger Inbelbifchof hat sich mit einem Schlag einen Namen gemacht der
Gmünder Goldschmiedemeister Fritz Möhler. Derselbe hat in München in
der Metallklasie der Kunstgewerbeschule bei Prof. Fritz Schmidt seine künst-
lerische Ausbildung vollendet und in diesem Frühjahr in Stuttgart die Gold-
schmiedmeifterprüfung mit vorzüglichem Erfolge abgelegt. Sein Meisterstück
war ein prachtvoller Anhänger in Grnbenemail und reichem Schmuck. Das
neueste Werk des Künstlers ist ein Ziborium für Spaichingen, das in
seiner künstlerisch tüchtigen, materialgerechten und peinlich minutiösen Durch-
arbeit beim ersten Anblick für sich einnimmt. Das Material, Silber, ver-
goldet, ist nicht, wie man es gewöhnlich sieht, geschliffen, sondern zeigt die leb-
haft, lebendig wirkenden Male der Hammerarbeit am Fuß und an der Kuppa.
Die Vergoldung hat eine leicht grünliche Färbung bekommen, was wieder
einen besonderen Reiz auöwirkt. Auf mehreren Wülsten erhebt sich in Halb-
kngelform der Fuß. Die Wulste sind mit äußerst fein gelegten und verschlun-
genen Drähtchen überlötet, auf welche kleine, fast winzig zu nennende Knöpf-
chen ansgelötet sind, wodurch denselben ein zartes Leben eingehaucht ist. Auf
der Halbkugel des Fußes markiert ein doppelter vergoldeter Silberdrahtkreis,
der ein Kreuz umschließt, die Vorderseite des Gefäßes. Mit Absicht ist bei den
Kreislinien, wie auch sonst bei dem Dekor des Ziboriums die Genauigkeit
der Linienführung verlaffen, um den kunsthandwerklichen Charakter hervor-
zuheben, wie man dies auch bei den alten Werken der Goldschmiedekunst be-
obachten kann. Der sechsseitig profilierte Schaft wird von einem kräftigen
NodnS unterbrochen, der aus weißem Grubenschmelz mit aufgelöteten Kreis-
linien lind Kreuzen hergestellt ist. Der Schaft öffnet sich in einem stern-
artigen Gebilde, das mit seinen Strahlen das wundervolle Maß der Kuppa
umschließt, deren Ränder ebenso wie die Wulste des Fußes behandelt sind.

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