Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 41.1926

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kelnd eingefeilten Drähte erhält, die etwas niedriger stehen, baut sich in
strengem Aufbau die Priesterkrone auf. Acht priesterliche Symbole, die wie
unumstößliche Wappenschilder der Christenheit, auf weißem Emailgrund,
stark erhöht, abwechseln mit fein durchbrochenen, weißemaillierten Ranken-
werkschildern und mit grünemaillierten Knospen emporwachsen, stehen kunst-
gewerblich aus seltener Höhe. Die naturhafte Art der Behandlung von Me-
tall und Email, der ganzen Symbolsilhouetten, wie zum Beispiel iu der
Darstellung des Kelches, verdienen in dieser persönlichen Art besonders her-
vorgehoben zu werden. Eine äußerst prickelnde und dezente Unterbrechung
auf dem Rankenwerk bilden die am höchsten aufgefteckten feinen Goldkörner,
die oben etwas flachgeschlagen sind, um die Lichtwirkung noch zu steigern.
Diese Goldkörner sind einzeln geschmolzen und beleben die Krone ungemein
angenehm. Diese Anwendung von Goldgranulationskörnern, die Mare-
Rosenberg in ihrer Entwicklung von der ältesten Vorzeit an verfolgt und
in einem Band seiner Geschichte der Goldschmiedekunst vorgelegt hat, hat
hier Fritz Möhler trefflich neuartig wieder aufleben lasten. Die Zwischen-
räume, die sich zwischen den Schildern ergeben, liegen bedeutend tiefer und
zeigen weißemaillirte, durchbrochene, in sich verschlungene Lilien, die wie
ruhende Pole wirken im Rhythmus zwischen den frühlingsmäßigen duftigen
Schildern von Rankenwerk. Ein tiefer liegender eingefeilter Metalldraht
schließt die Schilder nach oben ab und birnsörmige weißemaillierte Metall-
körper und eine große Metallkugel, die vollständig mit feinen Goldfäden rein
gefühlsmäßig umsponnen und mit weißem Email besetzt ist, geben der Prie-
sterkrone mit einem weißemaillierten Kreuz den Abschluß. Auf der Vorder-
seite der Metallkugel deutet die Zahl 5O, die die Hälfte der Erdkugel um-
spannt, auf das goldene Jubiläum hin und von der Krönung spürt man die
Ausstrahlung des Glaubens. An allen Teilen empfindet man prickelnde
kunstgewerbliche Handarbeit bei edelster Bearbeitung des kostbaren Edel-
metalls.

Die silberne B i s ch o f S f u b i l ä u m S k r o n e, die kunstgewerblich in
ähnlicher Technik aufgebaut ist, zeigt auf der Vorderseite daS Wappen des
Bischofs von Keppler und auf der Rückseite das Wappen der Diözese Rot-
tenburg in farbigem Email. Als neuartige alte Goldschmiedetechnik, die
Möhler hier neu aufleben läßt, sind die feinen Belötungen mit dünnen, be-
schlagenen Silberplättchen an den Metallbögen zu nennen. Mittels eines
Stahlpunzens, worauf sich ein knospenartiges Rankenwerk befindet, wurden
dünne Silberblättchen einzeln damit beschlagen und dann auf die Metallbögen
gelötet. Dadurch erhielt das Edelmetall einen warmen, samtartigen Hauch,
der die Metallbögen kunstgewerblich kostbar adelt und ans hohe Stufe stellt.
Eine alte Technik, die durch die Industrie vollkommen verloren ging.

Für die kirchlichen Geräte verdienen diese kunstgewerblichen Bearbeitun-
gen Möhlers die größte Beachtung, als durch sie man auch heute wie in frü-
heren Jahrhunderten von einer wirklichen „kirchlichen Kunst" sprechen
kann. Gegenüber der heute vielfach rein fabrikmäßigen Herstellung von
kirchlichen Geräten, die jeden kunsthandwerklichen Reiz vermissen lassen, wir-

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