Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 41.1926

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t'cn Möhlers Arbeiten geradezu wohltuend. Denn für das höchste Gut der
Menschheit, für das die kirchlichen Geräte dienen, sind fabrikmäßig herge-
stellte kirchliche Geräte abstoßend und unwürdig. Der Kunstwerkftätte für
kirchliche Geräte von Goldfchmiedemeifter Fritz Möhler, Schwäb. Gmünd,
gereichen diese Schöpfungen zur großen Ehre.

G m ü n d. P r o f. A. F ü r st.

Dion österreichischer Kunst

Von Dr. Bruno Binder, Graz.

I. HannS Adam W e i ß e n k i r ch n e r *).

Die Besinnung auf die heimische Kunst, die in den Kriegsjahren eingesetzt
hatte, vermochte viele Lücken in der Kenntnis von dem Kunstschaffen vergan-
gener Jahrhunderte auszufüllen. Auch Steiermark nahm a» dieser Bewe-
gung lebhaften Anteil. Hier war es Professor Dr. Hermann Egger, der
Leiter des Kunsthistorischen Institutes der Universität, der seine Schüler für
diese Probleme zu interessieren verstand. So konnte unter seiner Leitung
Eduard Andorfer über den Barockbildhaner Veit Königcr eine wertvolle
Untersuchung vorlegen, der nun die Arbeit über den bedeutendsten Barock-
maler Steiermarkö von Anny Rosenberg-Gutmann folgte. Die Bedeutung
dieses Künstlers liegt nicht nur in seiner führenden Stellung unter seinen
Zeitgenoffen in Steiermark, sondern daß er in Österreich einer der ersten
Meister war, der eine großzügige malerische Innenausstattung zu lösen hatte.
Über sein Leben wissen wir leider noch sehr wenig. Ein paar dürftige An-
gaben in Kirchenmatrikeln sind fast alles. Nach den Forschungen Hermann
Eggers ist der Künstler ein Sohn des Salzburger Bildhauers Wolf W. d.
Alt., der der erste Lehrer des jungen Balthasar Permoser war. Über Wei-
sicnkirchners Entwicklung und Lehrjahre ist ebensowenig bekannt wie über
seinen Aufenthalt in Italien, wenn auch seine Arbeiten, besonders die Male-
reien im Prnnksaal des Eggenberger Schlosses, einen Aufenthalt in Italien
sicher annehmen lassen. Dazu bewahrte einst die steirische Landesgalerie Ko-
pien Weißenkirchners nach Pietro da Corrona, die heute leider verschollen sind.
Seine datierten Werke umfassen einen Zeitraum von nur fünfzehn Jahren.
Das erste datierte Bild ist das Martyrium des bl. Veit in der Kirche St.
Veit am Aigen. Es stammt aus dem Jahre 1860. Der jugendliche Mär
tyrer ist voll beleuchtet, während die Henkersknechte im Dunkeln stehen, wo-
durch dem Vorgang das Grauenvolle genommen ist. Diese Idealisierung
hat schon Tizian in dem Martyrium des heil. Laurentius (Iesuitenkirche in
Venedig) versucht. Die steirische Landeögaleric bewahrt u. a. eine Darstell
lang, wie der Prophet EliaS der Witwe von Zarpatb das zum Leben erweckte
Kind wieder übergibt. In dieser Halbfigurenkomposition sind die Personen

') Anny Rosenberg-Gutmann, Hanns Adam Wcisicnkirchner / Sein Leben und seine Kunst.
2. Band der Beiträge zur Kunstgeschichte Stciermarks und Kärntens, hcransgcgeben von Hermann
Egger. Verlag I. Meyerhoff in Grat.

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