Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 41.1926

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in Verzückung, ferner von Zurbaran: Doktor der Universität von Salamanka, und S.
Franziskus; von Velaöquez: Gruppe von Kavalieren (Paris), Bürgerliche Frau mit Kind
(Madrid). Eine Reihe von Ansichten schließt sich an: der Escorial zur Zeit Philipp IV.,
Ansicht von Toledo (El Greco), Kathedrale von Toledo, Buen Retiro, Kathedrale von Se-
villa, Sevilla 1680, Zaragoza (Martine; del Mazu). Kulturgeschichtliche Bilder: Stier-
gefecht in Madrid, Pilgerprozession nach Compostela, Trachten der vier Ritterorden, ge-
fälschte Darstellungen eines Auto da fc, Hofjagd unter Philipp IV., Münzproben, Spa
nische Bilderrätsel, Spanischer Spitzen- und Fächcreinband des 17. Jahrh., ein Cervanter-
autogramm u. a. m.

Alles das ist ein Zeichen der Reichhaltigkeit des Werkes, das »och besonders wertvoll ist
durch den Anhang I. mit kulturgeschichtlichen Texten — nur muß man dazu die Sprache
verstehen, „in der man mit unserem Herrgott spricht", und der Anhang II., der eine reich-
haltige, gut ausgewählte Bibliographie bietet. Der Verlag hat das Werk in Druck und
Ausstattung vornehm behandelt, so daß man Verfasser, Verleger und einen weiten Leser-
kreis zu demselben nur beglückwünschen kann.

Söflingen. Weser.

Hansische Welt, für den Niederdeutschen Bund. Heranögegeben von Prof.
Dr. Hans Mnch.

Nr. 1 H. Much, Norddeutsche Backsteingotik, 4.-7. A. mit 87 Bildtafeln, 1623.

— Nr. 2 H. Much, Norddeutsche gotische Plastik, 4.-6. A. mit 74 Bildtafeln, 1923.

- Nr. 4 H. Much, Niederdeutsches gotisches Handwerk, mit 100 Abbildungen 1623.

Nr. 5 Oskar Beyer, Norddeutsche gotische Malerei, 1624, mit 67 Abbildungen.

Verlag Georg Westermann, Braunschweig, Preis für jeden Band 8 Mark.

1. Für uns Süddeutsche ist die Veröffentlichung der „Hansischen Welt" wirklich eine
neue Welt! Gewöhnlich kommt Nicderdeutschland in den Werken der Kunstgeschichte
viel zu kurz weg. Es ist deswegen ein guter Griff von Prof. Much, in dieser Serie die
norddeutsche Kunst und ihr Wesen zunächst der Heimat, dann aber auch weiteren Kreisen
nahe zu bringen. Das ist ihm auch sehr wohl gelungen. Der Verfasser spricht mit großer
Liebe von der Heimat und der Gotik. Seine einleitenden Bemerkungen enthalten treffende
und markige Gedanken und Mahnungen. Im ersten Bändchen klingt selbstbewußt das
Bekenntnis heraus: „Die einzelnen norddeutschen Backsteinbauten sind von so vollendeter
Eigenart und damit von solcher Kulturhöhe, daß ihnen Süddeutschland nichts an die Seite
zu setzen hat". Besonders setzt sich der Verfasser mit der Ordcnsgotik auseinander, d. i.
der Gotik des Deutfchritter-OrdenS. Die Ordensbaumeister gaben ihren Bauten eine klare
Ruhe, ernste Gemessenheit, feierliche Sicherheit und erhabene Kraft. Von ihr unter-
scheidet sich die Hansagotik, die einerseits einen eigenen Hallenkirchenstil und Profanbaustil
bildet, andernteilö fränkisch-flandrische Einflüsse in sich aufnimmt. Das Münster von
Doberan, die Städte Lüneburg und Wismar werden eigens gewürdigt. Kirchengiebel,
Stadttore und Rathäuser finden eingehende Abschätzung. Das Urteil des Verfassers wird
durch die glänzenden Abbildungen reichlich bestätigt.

2. Iin 2. Bändchen spricht sich die Seele des Herausgebers im Anschluß an Meister
Eckhart mit scharfer Offenheit über Klassik und Gotik, Impressionismus und Expressionis-
mus aus, auch hier mit vielen gut pointierten Sätzen. Ein kurzer Wanderführer durch die
gotische Plastik im Backsteingebiet schließt die Einleitung. Und dann kann man schwelgen
in der Betrachtung dieser prächtigen Gestalten, in diesen eigenartigen Schwingungen der
Gewandbehandlung. Prächtige Grabsteine, Kruzifire, Altarbilder und Altaraufbautcn,
große und kleine Kunst, Rolande von Bremen, Brandenburg und Stendal, Lettner Sakra-
mentshäuschen, Chorgestühl und Fünten (= Taufsteine) — alles das zieht an uns vorüber
und nimmt unser Interesse gefangen. Zuletzt schließt das Werk ab mit dem eigenartigen
Dreigesicht der Dreifaltigkeit von Plau in Mecklenburg.

3. Vom gleichen Verfasser stammt das vierte Bändchen über das Niederdeutsche got.
Kunsthandwerk. Das Vorwort zittert von dem heiligen Ernst, mit welchem das Heimat-
gefühl des Verfassers sich ausspricht über die Kunstgegenstände aus Holz, Eisen, in Kera-

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