Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 41.1926

Seite: 46
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mit und Metallguß und in der Gewebekunst, in der Edelschmiedekunst und Glasmalerei.
Die Abbildungen sind wieder großartig und einzigartig. Es ist nichts vergessen. Herrlich
sind die gestickten Teppiche von Kloster Lüne, das Antependium und Teppiche von Wien-
hausen, der Teppich der Rostocker Marienkirche, der Leinenvorhang aus Marienwerder.
Ganz hervorragende Stücke sind die Emailschale im Lübecker Museum, der Kunigunde-
Schmuckkasten von Kanne und der Brandenburger Buchdeckel. Nur eines hätten wir ge-
wünscht bei den Bauten und Skulpturen, nämlich eine ungefähre Zeitangabe.

4. Das 5. Bändchen über got. Malerei ist von Oskar Beyer herausgegeben. In seiner
Einleitung spricht er vom Gesicht der Gotik; cs sei das Gesicht einer seelischen Kunst, die
das Schicksal der Seele spiegle, der aber doch nicht die Lust am Konstruktiven fehle; neben
der Scholastik wohne stets die Mystik. An den Wandgemälden und der Tafelmalerei wird
die norddeutsche Eigenart als Schlichtheit und Festigkeit ihres Gebarens bezeichnet; sie sei
gesund und volkstümlich und wolle nicht ins Krankhafte ausfchweifen. Von Künstlernamen
werden nur zwei genannt: Meister B er tr am aus Minden, st nach 1410, von dem noch
drei große Altarwerke erhalten sind (Grabow, Buxtehude, London), nebst Bruchstücken des
Altars von Harvestehude. Von besonders reich entwickelter Begabung war der zweite
Meister, F r a n ck e , der sich besonders durch Kindlichkeit, Reinheit und Feinheit aus-
zeichnct. Die Worte der Einleitung sind im Bildcrmaterial wiederum großartig illustriert.

Das sind vier Heimatbücher erster Ordnung!

S. ' W.

Expressionismus und kirchliche Kunst. Von Dr. P. Magnus Künzle, 0. M.
Cap., Verlag 0. Walter, Olten, 50 Pfennig, 48 S.

Das Schriftchcn von Dr. Künzle orientiert trefflich über den Expressionismus. Es
hebt klar hervor das Wesen desselben, würdigt besonders den Expressionismus als kirch-
liche Kunst, oder soweit er cs sein will, tritt ihm entgegen als unpopulär und wegen der
ungerechtfertigten Hervorhebung des Prinzips l’art.pour art, weist ihn ab als „Gnaden-
kunst" und stellt die kirchlichen Erlasse gegenüber. Trotz der Verwerfung des extremen
Expressionismus wird nicht geleugnet, daß manche fruchtbaren Momente in dieser
Bewegung gezeitigt worden wären. Die Schrift ist sehr geeignet zu einer raschen Orien-
tierung über das Problem. S. — W.

Vou Kunst und Künstlern. Gedanken zu alten und neuen künstlerischen
Fragen. Von Joseph Kreitmaier 8. 4. Mit Titelbild und
48 Tafeln, gr. 8", X und 250 S. Freiburg i. Br. 1926, Herder,
geb. 10 Mark.

Das Buch ist eigentlich eine Sammlung von Aufsätzen des Verfassers, die in den
Stimmen der Zeit feit zwölf Jahren erschienen sind und die hier mit zeitgemäßen Ände-
rungen, Verbesserungen und Ergänzungen versehen sind. In demselben will das subjektive
Bekenntnis des Autors zur Kunst und die Begründung seiner Ansichten niedergelegt sein.
Grundlegend spricht sich der erste Aufsatz über „den künstlerischen Menschen" aus. Die
folgende Abhandlung beginnt eine Serie von Themata, die sich mit den modernen und
modernsten Kunstfragen befassen und Stellung nehmen zu den heutigen Kunstproblemen.
Der Gegensatz von Impressionismus und Expressionismus wird im Kapitel von „Moderne
Malerei von gestern und heute" herausgearbeitet. Wer in der Frage der expressionistischen
Kunst eine gute, sichere Einführung sucht, wird gut tun, dieses Buch in die Hand zu
nehmen. Der Standpunkt des Verfassers ist gleichweit entfernt von rigoroser Abweisung
der ganzen Bewegung wie von rascher und einseitiger Hingabe an die neue Richtung. Die-
selbe hat sich ja selbst im Laufe des letzten Jahrzehnts zu einer nüchterneren und verstän-
digeren Entwicklung hin durchgemausert. Der Verfasser erkennt das Gute und Hoffnungs-
volle der Bewegung bereitwillig an, warnt davor, sich überstürzt derselben, besonders auf
dem Gebiete der christlichen Kunst, in die Arme zu werfen, und erwartet von weiterer
ruhigerer Abklärung doch wieder Gewinn für eine weitere Entwicklung der Kunst. Mit
diesem Gesamturteil wird man einverstanden sein können. In dein Aufsatz iiber „Werk-

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