Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 41.1926

Seite: 55
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graphischen Texte daS Menschenmögliche leisten. Eine zweite Abhandlung der
Einleitung befaßt sich mit dem Heiligenbild und den Attributen, deren Bei-
gabe zu den Bildern im 11. Jahrhundert aufkommt. „Im 15. Jahrhundert
hatte sich dafür ein fester Kanon gebildet, der bis heute Geltung hat."

Auf die Einleitung (S. 1—22) folgen die einzelnen Heiligen in alpha-
betischer Reihenfolge mit Angaben über ihr Leben, ihren Kult, ihre Literatur
(Akta Sanktorum und Spezialschriften) und dann die Darstellungen, je mit
reicher Literaturangabe. In der hier geleisteten Arbeit liegt eine Unsumme non
Mühe und Sorgfalt; hier zeigt sich eine besonnene und ruhige Kritik und eine
weise Auswahl und Beschränkung auf das Wichtigste, ohne etwas Notwen-
diges zu verabsäumen, und eine großartige Beherrschung des Stoffes. Trotz
aller Zurückhaltung sind manche Heiligenbeschreibungen zu feinen Monogra-
phien ausgewachsen, z. B. die Apostel im allgemeinen, Franz von Assisi, Georg,
Hieronymus, Iakobus der Ältere, Johann Baptist und Evangelist, Katha-
rina von Alexandrien, die Nothelfer, Ursula. DaS sind wahre Kabinettstücke
von klarer und liebevoller, von gründlicher und wiffenschaftlicher Behandlung
des Heiligenlebens und des Heiligenbildes. Wer immer sich mit den Heiligen
befaßt, der wird gut tun, die sichere Methode des gelehrten Verfassers zur
Führerin zu nehmen.

Das lebhafte Interesse, das wir diesem Hauptwerke entgegenbringen, wird
uns entschuldigen und möge uns gestatten, wenn wir einige Bemerkungen kri-
tischer Art zu machen wagen.

DaS S. 17 zitierte Werk des Franzosen E. Male über die religiöse Kunst
des 13. Jahrhunderts in Frankreich ist 1923 in 3. Auflage erschienen. DaS
ebendort genannte Werk desselben Verfassers über die religiöse Kunst des
Endes des Mittelalters in Frankreich ist 1922 in 7. Auflage herauSge-
kommen. Von ihm erschien auch „Die religiöse Kunst des 12. Jahrhunderts
in Frankreich" (1922).

S. 467 ist auf ein Bild des heiligen Norbert im „Klaff. Bilderschatz"
Nr. 1362 verwiesen. DaS ist aber ein Bild des heiligen Robert.

S. 473 ist daö Nothelferbild in Gmünd genannt als Werk eines baye-
rischen Künstlers. Wir sind darüber genauer unterrichtet durch Archivrat
Dr. Gümbel in Nürnberg als durch den Artikel im „Archiv f. chr. Kunst"
(1893, S. 82). Gümbel fand 1902 im Kreisarchiv zu Nürnberg daS Nech-
nungsbuch des Kirchenmeisters Sebald Schreyer, der 1303 sich während einer
Pest in Ginünd aufgehalten und den Altar nach Gmünd gestiftet hatte. Laut
den, Rechnungsbuch werden dem „Albrecht Türer" (Dürer) gegeben 7 fl.
s Pfl. 12 Pfg. und seiner Hausfrau 2 fl.; ferner zwei Knechte (Gesellen)
Dürers, die sieben Wochen an den Flügelbildern, und ein Geselle, der drei
Wochen an der Predella (Vierzehn Nothelfer) gemalt hatte, erhalten eben-
falls gewisse Summen. Daraus geht hervor, daß Altar und Bilder in der
Werkstatt Dürers in Nürnberg chergestellt wurden. Wer die Gesellen waren,
ob Schäufelein, Baldung oder HanS von Kulmbach, wird nicht leicht zu be-
stimmen sein. (S. Albert Giimbel, Albrecht Dürer und der Schreyer-Altar
in Schw. Gmünd, in der „Illustrierten Zeitung" vom 8. Januar 1903.)

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