Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 41.1926

Seite: 59
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Das deutlich zu erkennende Sprechen von Vater und Sohn, die zwei-
malige Anwesenheit Jesu als Mann mit den Wundmalen und als Kind auf
Mariens Schoß auf demselben Bilde, die Hinneigung Mariens zu den zwei
göttlichen Personen, die nahe Verbindung der Taube des Heiligen Geistes
mit Maria, der niedergetretene Teufel sind lauter Momente, die sich nicht auf
ein Geschehnis der Heilsgeschichte beziehen lasten. Wir haben eine reine, ideale
Himmelsszene vor uns. Es kann sich aber gar nicht um eine Verherrlichung
Mariä im Himmel handeln; dagegen spricht schon die zweifache Darstellung
Jesu. Es muß sich also handeln um die Bezeichnung des Planes der Erlösung,
itt den: die Wundmale Jesu auf den Willen zum Erlösungswerk, Maria mit
dem Jesuskind als den im ewigen Geiste Gottes vorweggenommenen Weg
zur Erlösung und der darniedergetretene Teufel auf den Sieg des Erlösers

Hinweisen. Die dargestellte Niedertretung des Teufels ist sicher nicht ohne Be-
ziehung oder Anlehnung an Psalm 109, I und 2: „Es spricht der Herr zu
meinem Herrn: Setz dich zu meiner Rechten! Ich mache deine Feinde noch zum
Schemel deiner Füße." Es kann aber keine cndgeschichtliche Darstellung ge-
meint sein, wegen der vom Heiligen Geist betreuten Mutter mit dem Kind.
Demnach haben wir in diesem Bilde die wohl älteste Darstellung des Rat-
schlustes Gottes.

2. Fast vier Jahrhunderte später entstand ein Bild, daS ganz unzweifel-
haft den Ratschluß der Erlösung schildert. Auf einem mit gotischen Fialen
gezierten ThronuS sitzt links vom Beschauer Gott Vater, mit einfachem Nim-
bus, auf dem Haupt eine dreifache Krone, um die Schultern ein wallendes
Pluviale. Seine Linke erhebt sich segnend, seine Rechte hält sehr geziert ein
Kreuz mit dünnen Stäbchen entgegen dem vor ihm ebenfalls im Nauchmantel
auf die Knie gesunkenen Sohne, der den Kreuznimbus trägt und mit seinen

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