Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 41.1926

Seite: 63
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6. Zeitlich das erste ist das Altarbild von Pietro Vanucei, genannt
il Perugino, das sich in der Akademie zn Florenz befindet") und, wie es
scheint, gewöhnlich als Himmelfahrt Mariä bezeichnet wird. Die Bezeichnung
kann aber sicher nicht zutreffend fein. Das Bild ist streng in drei Horizontal-
reihen gegliedert. Die oberste Reihe, welche die Rundung der Rahme füllt,
zeigt in einem großen Kreise Gott Vater, die Rechte segnend erhoben, in der
Anken die Weltkugel tragend, von sechs Cherubimköpfchen umflattert. Zum
Kreise heran schweben zwei in ganzer Figur gegebene Engelsgestalten mit ge-
falteten Händen, in Anbetung sich neigend. Einige andere Engelsköpfchen in
den Ecken blicken teils empor zu Gott Vater, teils hinab in die zweite Hori-

Ratschluß der Erlösung
Livje d’heures der Rath, von Eleve

zontalreihe, auf welche auch der Blick Gott Vaters gerichtet ist. Hier sitzt in
einer Mandorla, die sich über Gewölk erhebt und in ihrer Rahme wieder sechs
Engelsköpfe zeigt, Maria mit gefalteten Händen, das Antlitz zu Gott Vater
emporrichtend mit einem Blick demütiger Ergebenheit. Je zwei Engel mit
Musikinstrumenten stehen musizierend in anmutiger Haltung zu beiden Seiten
der Mandorla auf Wolken. Mehr nach unten schweben von beiden Seiten je
ein Engel in weicher Bewegung zu Maria heran, jeder mit dem erhobenen
Zeigefinger auf Maria hinweisend. Wieder sechs Chernbimköpfchen sind um
diese Engel verteilt. In der untersten Horizontalreihe, deren Hintergrund eine
Landschaft mehr zart andeutet als schildert, stehen in einer Reihe von links
»ach rechts die Heiligen Bernhard, Gualbertus, BencdiktuS und St. Michael.
Rur die beiden mittleren sind durch die Blickrichtung mit dem übrigen Teil des
Bildes verbunden; die beiden andern schauen ans der Szene. Auf das ganze
Bild ist eine wunderbare Ruhe ausgebreitet, die gar nicht zu dem Gedanken
ber Himmelfahrt paßt. Die Madonna sitzt in vollendeter, wir möchten sagen
Utystisch verzückter Ruhe in der Mandorla, deren oberste Spitze von dem Gott
Vater umgebenden Kreis verdeckt ist. Es ist eber an ein Herabkommen des

") Klassischer Bilderschah Nr. 207 (Verlag Bruckmann, München).

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