Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 41.1926

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Rechte trägt schon den Kreuzstab, seine Linke ruht auf seiner Brust. So tritt
er hin vor Gott Vater und bietet sich zur Erlösung der Menschen an. Links
und rechts von diesem Mittelteil bewegen sich Engelputten in Wolken, teils
anbetend, teils auf verschiedenen Instrumenten musizierend. Das Frontispiz
trägt die Unterschrift: Unus Deus, unus conciliator Dei el hominum, homo
Christus Jesus, qui dedit semetipsum precium redemptionis pro Omnibus15):
,,Ein Gott, ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch
Christus Jesus, der sich selbst hingab als Preis der Erlösung für alle."

10. Ans dem 17. Jahrhundert ist uns bis jetzt keine Darstellung vom
Ratschluß der Erlösung bekannt geworden. Dagegen hat sich das 18. Jahr-
hundert dieses Gegenstandes, wie es scheint, nicht ungern bemächtigt. Vor uns
liegt ein kleiner Kupferstich mit der Überschrift: Festuni annuntiationis B.
V. Mariae, signiert mit den Worten: Oöz et Klauber Cath. sc. et. exc. A. V.,
d. h.: Göz und Klauber, Katholiken, gestochen und heransgegeben zu Augs-
burg. Göz, Gottfried Bernhard, war der Zeichner. Die Hauptdarstellung ist
Mariä Verkündigung. Der auf einer Wolke herabschwebende Engel Gabriel
spricht das auf dem Blatt angeschriebene Wort: „Es wird geboren ans dir
das Heilige" (Lukas). Maria, die soeben vom Betstuhl aufgestanden ist, auf
dem ein Buch mit der Legende „Die Jungfrau wird empfangen" (Isaias)
ruht, spricht das Wort: Fiat, es geschehe! Auf der Schwelle oder Diele, auf
der Maria steht, liest man: „Das Wort ist Fleisch geworden" (Johannes I).
Wichtiger aber ist für uns der obere Teil des Bildchens mit seinem Figuren-
werk. Da schwebt auf den Wolken in der Mitte Gott Vater mit dem Tri-
regnum auf dem Haupte, das vom Dreiecknimbus umgeben ist. Seine Linke
hält ein Zepter, und aus seinem Munde kommt das Wort: Quemmittam?
Wen soll ich senden? Links von ihm schwebt die Taube des Heiligen Geistes,
von Strahlen umgeben, darüber die Inschrift: Ft quis ibit nobis, und wer
wird uns gehen? Rechts von Gott Vater ruht auf Wolken ein Thronsesiel,
auf dem eine dreifache Krone und ein Zepter liegt (Hetoimasia). Darunter
schwebt in einer Strahlenkrone eine Kindesgestalt, Jesus, von dem sich die
Strahlen auf die untenstehende Maria ergießen; das Kind spricht die Worte:
„Siehe, da bin ich, sende mich!" Und der Vater antwortet: Vade! Gebe!
(Isaias 6). Diese reizende Darstellung des himmlischen Gesprächs in Rede
und Gegenrede gibt ganz deutlich die Auffaffung des 18. Jahrhunderts über
den Ratschluß der Erlösung.

11. Im Besitz des Pfarrers Iacob in Schwörzkirch (Oberamt
Ehingen) befindet sich ein Leinwandgemälde, daö sich nur auf die Schilderung
der Himmelsszene beschränkt. Da stehen drei Throne; auf zweien derselben
sitzen Gott Vater und Gott Heiliger Geist, angetan mit der dreifachen Krone
und mit wallenden Pluvialien. Der dritte Thron ist leer; denn von ihm hat
sich der Sohn erhoben und ist vor den beiden anderen göttlichen Personen
niedergesunkeu, denen er das Kreuz der Erlösung entgegenhält.

*5) I Tim. 2, 5, wo cg in bei' Vulgata aber nicht conciliLtor, sondern Mediator und nicht
precium redemptionis, sondern einfach redemptionem hcisit, also wohl eine Zitationgwcise and dem
Gedächtnis.

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