Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 41.1926

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sich in den heiligen Büchern auf rührende Weise geäußert hat. In heißem
Gebete drangen die Heiligen des Alten Bundes bis zum ewigen Throne Gottes
vor und beschworen den Gott der Barmherzigkeit und Treue, diese Ver-
heißungen wahrzmnachen und seinen Erlösungswillen, der von Ewigkeit her
in ihm war, zur Ausführung zu bringen: Wie eine Zusammenfassung aller
Sehnsucht der Alten sieht sich das Bild im Breviarium Grimani an. In
einer felsigen Gegend, deren Hintergrund ein vieltürmiges Gotteshaus zeigt,
ist eine große Schar von Männer« versammelt, teils stehend, teils kniend,
welche ihr Antlitz erheben zu dem in den Wolken thronenden, von Cherubim
umgebenen Gott Vater, der mit der dreifachen Krone geschmückt ist und seine

Johann wächtli», Ratschluß der Erlösung

Holzschnitt ans Geiler von Daisersberg, „predigt der Himmelfahrt Mariä", Straßburg, Grüninger 1512

Rechte segnend erhebt. Ans dem Munde von einzelnen der Männerschar geht
wie ein Ruf im Chor die Legende hervor: „Wir beschwören dich, o Herr, sende
den, welchen du senden willst")."

Der fast wörtliche Ausdruck vom „Ratschluß Gottes" findet sich wohl
zuerst im Diognetbrief, wo Jesus als „Mitwisser aller Ratschlüsse Gottes"
bezeichnet wird"). Hier heißt es: „Nachdem Gott im Geiste etwas Großes und
Unaussprechliches empfangen hatte, «lachte er zum Teilnehmer feines Planes
allein seinen Sohn"", und „alles hat er schon bei sich mit seinem Sohne ange-
ordnet"")." Auch der ganze Zusammenhang weist deutlich auf die ewige Kon-
zeption der Anordnung der Erlösung hin, welche im Briefe des Ignatius"')

17) Le Bieviaire Grimani, ed. Ongania, Venedig 1906, S. 25: Obsecramus, Domine, mitte quem
missurus es. Dad Wort stammt ans dem Munde Mosis, Exod. 4, 13.

18) Nirschl, Lchrbnch d. Patrologic I, S. 155.

i") Epist. ad Diognetum c 8, 9, (. Funk, opera Patrum Apostoücorum, I, Tübingen 1887, S. 325.

i0) 1. c. cap. 9, 1.

21) Flink, 1. c. S. 186.

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