Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 41.1926

Seite: 80
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am Fuß des Kelches weniger gut motiviert wäre. Es mahnt das zu sehr an die
Verwendung der Glasflußfteiue an vielen Augsburger Arbeiten des 18. Jahr-
hunderts.

Jak. Jos. Sichler (Stuttgart) sandte ein kleines Monftränzchen, weder
in Zeichnung noch in der Arbeit hervorragend; bester war der große Speise-
kelch >uit Elfenbeinschaft; ein Kelch, zwar einfach, aber interessant wegen
seines mehrfach abgestuften Fußes; eine VersehpyxiS und eine Reihe von
Kelchen und Ziborien, die nach Zeichnung von Koch (Stuttgart) für Stutt-
garter Kirchen hergestellt worden waren. Gerne hätten wir von diesen Sachen
das eine oder andere in natura hier gesehen.

Alle anderen Goldschmiedarbeiten stammen von Meistern, die in G m ü n d
geboren sind. Von ihnen sei zuerst genannt der in München ansässige Joseph
Seitz, der eine sehr reichhaltige Sammlung von Arbeiten vorführte: das
Vortragskreuz für S. Elisabeth (Ulm), dessen Stamm aus Mahagoniholz
mit Metalleiufassung einen gegossenen Christus trägt; das größere Stand-
kruzifix, ebenfalls für St. Elisabeth (Ulm) mit zwei anderen Standkruzi-
fixen; Hostienbüchsen aus Messing mit GlaSeiusatz, solche auS Holz gedreht;
eine einfache, solide Kustodia aus Silber, sechs sauber gearbeitete, teilweise reich
gezierte Kelche; eine große Monstranz, ins Rheinland geliefert (2800 M.),
deren Oberteil ein sich dreifach wiederholendes Oval in eine Rhombus gestellt
zeigt, reich verziert mit Bergkristallen, Achaten, Lapislazuli, Amethysten,
Rubinen, Opalen, die Lunula mit Rosatopasen, mit reichen Filigranauflagen
auf violettem Email, wobei auch die oft so stiefmütterlich behandelte Rückseite
besonders sorgfältig behandelt ist; ein Ziborium mit aufgelöteten Spiralen,
am Fuß gefleckte Lapislazuli (Chile-Lapis); ein Lavaboteller; drei Verseh-
pyxis; acht kleinere (nieder gehaltene) Pyxiden für hl. Ol und sieben Weih-
wasserbehälter. Alles in korrekter, tadelloser Arbeit. Vergleiche hiezu Archiv
für christliche Kunst, Heft l, 1926.

Von den in Gmünd ansässigen Goldschmieden war vertreten Joseph
Geiger mit einem dreiteiligen Leuchter aus Messing, mit gehämmerten Fusi-
und Knaufteilen, einer Hoftienpyris. einer VersehpyxiS, Mantelschließen für
einen Rauchmantel, drei hübschen Kauontafeln und einem silbernen Kelch mit
griechischer Umschrift (für Karfreitag), letzterer noch nicht ganz fertig, u. a.,
lauter Arbeiten, die ein tüchtiges Können zeigen. Die Abbildung eines Kelches
von diesen, Meister siehe Archiv 1926, Heft 1.

Die Werkstätte von Ludwig Schenk kPfenniamühle-Gmünd) hat
eine Anzahl vor Silberarbeiten ausgestellt, die nach ihrer Preislage auch
denen dienen werden, welche nicht höhere Summen auslegen können: Herz-
förmige VersehpyxiS mit unterschiedlichen Gravierungen; praktisch zusammen-
geftellte Gefäße für Haustaufen mit vier Gefästen. auf eine gravierte Silber-
platte aufgeschraubt; zweiteiliges Gefäß für die Taufe zu den hl. Ölen, au
eine Handhabe angepaßt usw.

Endlick zeiate der feinfühlige und strebsame Goldschmiedmeister Fritz
Möhler lGmünd) seine Meisterwerke: die beiden Bischofskronen, die im
I. Heft des Jahrgangs 1926 des Archivs eine besondere Beschreibung erfah-

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