Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 41.1926

Seite: 83
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Der Geist des Barock. Von Dr. Joseph Weingartner, Probst von
Innsbruck. 1925. B. Filser-Verlag, Augsburg. 24 S. Text, 4O ganz-
seitige Abbildungen, Format 4°. Preis IO Mk. in Ganzleinen gebunden.

In den letzten Jahrzehnten hat der Barock ein stets wachsendes Verständnis gefunden,
und die Literatur hat sich sehr ausgiebig mit ihm befaßt. Trotzdem findet die laute und
prunkvolle Art desselben noch immer eine große Gegnerschaft, und selbst manche Freunde
des Barock wollen ihn des leeren und hohlen Pathos, der glänzenden Äußerlichkeit bezich-
tigen. In der vorliegenden Schrift, die in der Reihe: „Von heiliger Kunst", Veröffent-
lichungen des Verbands der Vereine katholischer Akademiker zur Pflege der katholischen
Weltanschauung, erscheint, soll der Geist des Barock untersucht werden, indem die religiösen,
kulturgeschichtlichen und ästhetischen Grundlagen dieser Kunst aufgezcigt werden. Wohl be-
deutet der Barock einen Bruch mit der feinen Abgcwogenheit der Maßverhältnisse der
klassischen Renaiffaneeperiode. Aber dennoch wächst er allmählich aus der letzteren heraus
t>nd ist in den Gesetzen der organischen Entwicklung verankert. Seine Tendenz ist die mehr
malerische Behandlung und die gesteigerte Bewegung und dramatische Spannung in
Plastik, Malerei und Architektur, in der figuralen Kunst eine immer stärkere Hervorhebung
der Affekte: „Die Klage wi.d zum Schmerzensschrei, die Freude zum Jubel, die stille Hin-
gabe zur flammenden Begeisterung, das Sinnen und Schauen zur Ekstase". Trotz der
Gesetzlosigkeiten und Willkürlichkeiten des Details werden doch wieder die einzelnen Teile
monumental zufammengefaßt, ja, die Monumentalität erfaßt ganze Plätze, ganze Städte,
und beherrscht sogar daL Landschaftsbild. Der Barock ist auch Ausdruckskunst, „eruptiver
Ausdruck innerer Glut". Die Ursachen dieser Bewegung werden zurückgeführt auf die Ent-
wicklung der absoluten Fürstenmacht, auf die Gegenreformation und die darauf folgende
Blütezeit des katholisch-kirchlichen Lebens in Süddeutschland und Österreich. So wird der
Barock zum Ausdruck einer gewaltig gesteigerten heroischen Triumphstinunung. Besonders
interessant ist in der Schrift, was über den religiösen Gehalt des Barock gesagt ist, der
nach und aus der Auffassung des religiösen Lebens seiner Zeit beurteilt werden muß. Dieses
aber zeigt ungewöhnlichen Schwung und ungewöhnliche Begeisterung (zunächst mehr in den
südlichen Ländern) und siegeSfrohe Kampfesfreude für Christus und die Kirche, wie die
Typen: Theresia, Philipp Neri, Franz von SalcS, Ignatius und Franz Xaver beweisen.
Die Festräume der Kirchen, aller Schwung und Prunk, Glanz und Glast, Raum und Licht
rufen auch eine festliche, gehobene Stimmung. Auch die figurale Kunst mit ihren starken
Ausdrucköformen ist eine mächtige Bereicherung der religiösen Kunst. Die Architektur der
Kirchen mit ihren großen Vorräumcn sucht den Besucher schon von weitem einzuftimmen
und vorzubereiten. Das Weite, Hohe, Geräumige im Innern will das Gefühl des Ewigen
und Unendlichen vertiefen, wie das auch die riesigen, in immer weitere Höhen cmpor-
ziehcnden Dekorationsmalereien erstreben. Mit großer Wärme und Begeisterung hat der
Verfasser feine Aufgabe gelöst, und der reiche, ganz vorzügliche Bildschmuck auf den präch-
tigen Tafeln illustriert aufs feinsinnigste den getragenen Vortrag. Die Ausstattung ist sehr
fein. Neben seinem wissenschaftlichen Werte und wegen desselben ist das Buch ein sehr
wertvolles Geschenkwerk.

Söflingen. Weser.

Dcr hl. Franz von Assisi. Von Heinr. Federer und Fritz Kunz. Volksaus-
gabe. Mit einem Leben des Heiligen von P. Valerius Kemper O.F.M.
Gefellfch. f. chr. Kunst, München, 98 S. Preis gcb. 5,50 Mark.

Die Federcr-Kunzsche Gedanken- und Bilderreihe über den Jubelheiligen hat schon
seit einer Anzahl von Jahren viel sinnige und besinnliche Freude in die Herzen von Tausen-
den Lesern getragen. Den literarischen Perlen des Dichters braucht man darum kein
weiteres Lob mehr zu singen. Die trefflichen Schwarzweißbilder von der Meisterhand des
Fritz Kunz passen in ihrer rührenden Einfachheit vorzüglich zu den geistreichen Betrachtun-
gen über den Poverello. In den vier farbigen Tafeln: „Im Klarisscngartcn zu Assisi",

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