Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 41.1926

Seite: 84
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„Konversatio spiritualis", „Stigmatisation" und „Am Sarge des Heiligen", redet der
Künstler in fein abgestinunter Farbenskala von der Einfachheit und der Größe des liebe»,
armen Heiligen. Auf S. 67 — 98 erzählt der Ordensmann und Sohn des Heiligen in
fünf Abschnitten, die sich an die Fcdcrcrschcn Gedanken anschließen, das Leben seines
hl. Vaters kurz und fein und darum reich genug, um das ganze Bild abzurunden. Der
Souneugesang des hl. Franz ist in der Uebersetzung von P. Wendelin Meyer O.F. M
beigegebcn. Das Buch, sehr hübsch ausgestattet vom Verlag, ist ganz geeignet, „den Geist
des hl. Franziskus in seiner erhabenen Torheit und stillen Messiasgröße über die Welt
hinflammen zu lassen."

S. W.

Von der „Enkelin Gottes". Gedanken über religiöse Kunst von Joseph Küh-
nel. Mit 8 Bildern. Freiburg, Herder 1926. 128 S. Gbd. 4,62 Mk.

Der Verf. gibt eine ästhetische Wertung des Christusbildes von Fahrenkrog, der Dar-
stellung der Stanuneltern Adam und Eva, anlehnend an die von Dill Riemenschneider,
der Sirtina, des Dürcrschen Paulus, des Nachtgesprächs zwischen Jesus und Nikodemus
nach Caspar, einzelner Werke von Hobler, Fiduö, Grünewald, der Eigenart Michelangelos,
der Zionskirche in Dresden, der Gotik, des Kölner Domes, des Barock und der griechischen
Kunst, leitet sie ein mit Erörterung der Fragen über „Geist und Stoff", „Geist und
Sichtbarkeit", „Harmonien", „Einheit in der Dreiheit" (Gutes, Wahres, Schönes),
Liturgie und Sittlichkeit, und schließt ab mit „Gedanken über Stil". Es ist also ein
buntes, willkürliches Durcheinander von Kunstfragen und Kunstwerken. Der Zweck aber
ist, es zu ermögliche», daß der Seele „die ganze Welt zur Heimat werde, die Schöpfung
zur Harmonie", zurückzuführen „zur Natur, und durch die Natur zu Gott, zu ihrem und
unserem Urquell", „aus Bildern zu lesen und sie zu werten". Unter diesem Gesichtspunkt
betrachtet ist gerade das bunte Durcheinander der gewählten Themata interessant und be-
sonders dankbar. Natürlich spielt der persönliche Standpunkt des Verfassers dabei eine
große Rolle, denn alle Ästhetik ist subjektiv. Aber die großen Gesichtspunkte, die das ganze
Buch beherrschen, werden sicher den Beifall weitester Kreise finden, dem Leser mannigfache
Anregung und auch für Vorträge reiche Ausbeute bieten. Fiir eine Neuauflage, die wir
den» Werke recht bald wünschen, dürfte eS sich empfehlen, auch eine Innenansicht der Dres-
dener Zionskirche, eine Reproduktion des Casparschen Werkes aufzunehmen und den roma-
nischen Stil in irgendeinem hervorragenden Repräsentanten zu berücksichtigen.

Tübingen. I. Rohr.

Die vierzehn Stationen des heiligen Kreuzwegs, nach Kompositionen der
Malerschule des Klosters Beuron. 5. Ausl. 14 Lichtdrucktafeln mit
Titelblatt und 4 Seiten Einführung. In Leinwandmappe 22 M.

Vor nunmehr 36 Jahren wurde in der Marienkirche zu Stuttgart der berühmte
Beuroner Kreuzweg ausgeführt, nach Entwürfen von P. DcsidcriuS Lenz, von Chormönchen
und Laienbrüdern unter hervorragender Mitarbeit von P. Gabriel Wäger, der schon 1892
starb. Das war damals wie eine neue Offenbarung für das Problem der Kreuzwegdar-
stellung. Kurz nach Vollendung dieses Meisterwerks erschien 1891 eine graphische Repro-
duktion dieses Kreuzweges, zugleich mit einem einleitenden und erklärenden Tcrt vom
damaligen Professor Paul Kcpplcr, nachmaligem Bischof von Rottenburg, über die Ge-
Geschichte des Kreuzwegs. Diese Kreuzweg-Ausgabe hat in mehreren Auflagen sich weithin
verbreitet. In vielen Kirchen und Kapellen, geistlichen Anstalten und Häusern haben diese
Bilder init ihrer schlichten Monumentalität, mit ihrer Frömmigkeit und Tiefe der Auf-
fassung Heimatrecht gefunden. Es ist ein gutes Zeichen für das Werk an sich und aber auch
für den Geschmack der Käufer, daß der Hcrdersche Verlag daS Werk jetzt in 5. Auflage
herausgeben kann. Die Kreuzwegschrift KcpplerS allerdings ist nicht mehr beigegeben. Sie
ist längst vergriffen. Dafür geleitet eine feingeftimmte Einleitung von drei Querfolioseiten
diese Neuausgabe in die Öffentlichkeit. Dieselbe spricht von der Kreuzwegandacht und der

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