Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 41.1926

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gebaut, ehemals mit Kreuznahtgewölbe im unteren Stock. Der älteste hiesige
Wirt, den wir kennen, ist Paul Brunwart, genannt im Raisregister 1519.
Das Taufbuch 1641 uub 1646 nennt den Brauknecht Georg Graff und feine
Frau Wallbnrga, sowie 1701 und 1705 den Braumeister Jakob Scheu von
Danhausen. Praxator noster. Nach dem Bau des Brauhauses wurde 1778
auch ein Haus für den Braumeister gebaut. Die Bierbrauerei besorgten spä-
ter Franziskanerbrüder, deren erster ein Frater Lucius war. Seine Nachfolger
waren Frater Hugolinus und Livin Jos, der das Amt acht Jahre lang be-
sorgte. Am 16. Mai 1798 wurde Braumeister Frater Kreszentianus Sicka,
der letzte Bräubruder''). Von einem anderen Bräumeister berichtet das To-
tenregister, nämlich von Johannes Enderle, geb. 6. Mai 1755, Sohn des
Ochsenwirts Bernhard Enderle, der 28 Jahre lang Verwalter der Kloftcr-
brauerei mit Fleiß und Treue gewesen sei, st 16. Juli 1797. Im Jahre 1765
richtete das Kloster im südlichen Tor das Schenkstüblein ein, desien erster
Schenk Ulrich Mauer war. Die Schenke wurde geschloffen im März 1802.
Von da an wurde nach Fraidel ,,wieder im Klosterkeller durch die Brau-
knechte geschenkt, welche von Woche zu Woche abwechseln mußten. Das erste-
mal wurde Bier geschenkt von 10—11 Uhr, dann von 5—4 und von 5 Uhr
an." 1805 wurde das Bräuhaus au Bierbrauer KlemenS Teufel verpachtet,
die Klosterbrauerei hatte aufgehört.

Neben dem Bräuhaus steht gegenüber der Äbtissinwohuung die Klo-
st e r m ü h l e, ein Gebäude mit zwei Flügeln, von denen der südliche einst den
Gastbau oder das Gasthaus beherbergte. Der letzte Klostermüller war Taver
Goll. 1805 wurde die Mühle verpachtet um 1725 fl. au Jakob Bausch von
Geislingen, der nicht darauf fortkam. 1804 übernahm Taver Goll die Mühle
als Pächter um das gleiche Bestandgeld. Später erkaufte er dieselbe und sie
blieb iu der Familie bis heute. Hinter der Klostermühle am anderen Ufer des
Blauarms steht noch ein alter Klosterstadel.

Nördlich vom Chor der Klosterkirche stand das Beichthauö, d. h. die
Wohnung der Franziskaner, die für die Besorgung des Klostergottesdienstes
hier augestellt waren, zugleich aber auch die Gemeindeseelsorge in Söflingen
ausübten seit den Zeiten der Reformation. Das geräumige Haus hatte nur
einen Ausgang au der südlichen und nördlichen Schmalseite und in den westlich
liegenden Garten, auch „Pfaffengarten" genannt, nicht aber der Straße zu
(wie heute). Beide Stockwerke waren je durch einen Gang in zwei Teile ge-
schieden, welche die Wohngelaffe, Bibliothek, Schlafräume usw. einnahmen.
Einige Zimmer hatten und haben noch mäßige Stukkaturen, die jedenfalls
auf Kaspar Feichtmaier zurückgehen. Ein Stein, am Nordgiebel in die
Mauer eingelaffen, trägt die Inschrift: „17. X. F. 91, ist dieser Antritt am
Beichthaus gemacht worden". Die Buchstaben X. F. heißen Taver Frey, der
Maurermeister war. Am 2. März 1805 wurden der P. Beichtvater Amand
Manch, der Feiertagsprediger P. Isidor, der Sonntagsprediger P. Pankra-
tius Völk und der Bräubruder Sicka »ach Augsburg, der Pfarrer P. Udino

25) Chronik des Johannes Fraidel, Klosterfischer; Abschrift in der Stadtpfarr-Registratur S. 68.

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