Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 41.1926

Seite: 126
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kirche von einigen Reliquien sind abgenommen worden, an den Juden verkauft
worden um 168 fl. 18 kr."

Ein weiteres Schriftstück in der Münsterregistratur gibt ein „Verzeich-
nis derjenigen silbernen Stücke, welche aus hiesiger Stiftskirche herauSge-
nonuuen und zufainmengefchmelzt worden sind, wo sodann der Betrag hievon
bei hiesiger Reichsstadt zur Bestreitung der französischen Kontributionen als
ein zu 3 Prozeut verzinsliches Kapital angelegt worden:

6 große silb. Leuchter, 4 kleinere silb. Leuchter, I große silb. Ampel, I kleine
Ampel von Filigran, I kleine Ampel von der IohanniSkirche, 1 silb.
Arm mit einem silberverg. Ring, 5 silberne und ganz vergoldete Monftränz-
lein, I silberverg. Ciborium, 1 silb. Kommunikantenbecher, 8 silberverg.
Kelche nebst 7 Patenen, I silb. Kelch mit kupf. Fuß und I silb. Patene, welche
nach Berenbach verkauft worden, 2 silberverg. Kronen, 1 silb. Krone vom
S. Donate-Altar, item von da die guten Perlen, welche auf einem rotsamte-
nen Bruststück den Namen Jesu ausgezieret, wiederum allda ein goldener
Ring mit einem Denkstein, 10 ganz goldene und 10 silberverg. Ringe, in
Summa 21 Stück; 3 Paar silberverg. Meßkänntlein samt 3 Lavor, 1 silber-
verg. Gürtel, 1 großer Korallenrosenkranz mit vergold. Zeichen, 1 silberver-
gold. Kettele, I von guten Perlen besetzte Korporaltasche mit Palla, I silber-
nes Rauchfaß nebst Schiffchen und Löffelchen."

So weit das Verzeichnis, das den Eindruck der Unvollständigkeit macht.
Damit war der Gmünder Kirchenschatz von 1790 bedeutend geschröpft. Trotz-
dem ist daS heute noch Vorhandene so viel, daß der jetzige Gmünder Kirchen-
schatz immer noch der weitaus bedeutendste der Diözese geblieben ist.

Die Bildbeilage zu diesem Aufsatz zeigt die 1,91 Meter hohe silberne
Madonnenstatue zu Gmünd. Ihr Postament ist mit vergoldetem Kupfer und
aufgelegtem Silberornament bedeckt. Kopf, Hände und Füße sind gegossen,
das andere ist geschlagen und getrieben. Die Gewandung ist sehr sein mit
Blumenmotiven ziseliert. Das Diadem ist mit echten (?) Steinen geziert, der
Hals mit einem Halsband von orientalischen Granaten geschmückt. DaS
Ganze ist ein Meisterwerk der Goldschmiedekunst. Augsburger Arbeit, IahreS-
buchstabe M (?), Meisterzeichen J. A. L. (Lang). Eine alte Rechnung no-
tiert, daß die Priesterbruderschaft zu der Statue im Jahre 1771 tausend Gul-
den beisteuerte. Der Wert der Statue wird in einem Inventar auf 12 500
Mark eingeschätzt.

Literatur.

Das kirchliche Kunstgewerbe der Neuzeit, von Dr. Joseph Weingartner,
Propst von Innsbruck. Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck 1926.
470 S., mit 310 Bildern. Ganzleinen 27 M.

Wir kennen den Verfasser als einen begeisterten Schilderet' des Barock und der Spät-
stile, der zum richtigen Verständnis derselben manch gewichtiges Wort gesprochen und
geschrieben hat. Für dieses Verstehen der Spätstile ist auch dieses Werk verfaßt. Denn
unter dem „kirchlichen Kunstgcwerbe der Neuzeit" faßt der Autor die Zeit vom 16. bis
ly. Jahrhundert zusammen. DaS sind ja Zeiten von großer künstlerischer Fruchtbarkeit,

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