Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 41.1926

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deren Erzeugnisse auch noch in großem Reichtum in den Kircheneinrichtungen und Kirchen-
schätzen, vor allem Süddeutschlands, Österreichs, Belgiens, Italiens und Spaniens, vor-
handen sind. Das sehr reichhaltige Werk gliedert sich in die Behandlung der Paramente
(Seidenweberei, Stickerei, Teppiche, Spitzen, Posamentier- und Lederarbeiten), der kirch-
lichen Gefäße und Geräte von der Hostienbüchse bis zum Krummstab, der Schmicdeisen-
arbciten und des gesamten kirchlichen Mobiliars. Wie Methode des Verfassers besteht darin,
daß er eine kurze Geschichte der Technik im allgemeinen gibt, um dann ausführlicher ins
Einzelne einzugehen. (Immer wieder weiß er einen treffenden Satz einzuflcchten über die
Abhängigkeit der einzelnen Kunftformen vom allgemeinen Zeitstil, und damit auf die äußere
und innere Berechtigung der Einzelformen hinzuweisen. Selten sind wir bei einer derartig
weitgrcifenden und umfaffenden Darstellung auf solch liebevolles Eingehen auf die einzelnen
Sparten des kirchlichen Kunstgewerbes, auf solch treffende Charakterisierung und wohl-
wollende Beurteilung der nach den Ländern so verschiedenartigen Erzeugnisse gestoßen.
Hierin erweist sich der gelehrte Propst als ein zuverlässiger Kenner des wcitfchichtigen
Materials. Es sind nicht bloß die prächtigsten Muster der Arbeiten, die in schöner Sprache
nach ihrem Wert tariert werden, mit derselben Hingabe werden auch die einfachen und
einfachsten Werke behandelt und in ihrer edlen Wirkung dargestcllt. Dabei sind auch die
retrospektiven Bemerkungen auf die frühere Kunst nicht unbeachtet zu lassen. Kann auch
selbstverständlich das Material nicht in erschöpfender Fülle zusammcngestellt werden — für
manche Arten des Kunstgewerbes fehlen fast alle Vorarbeiten oder sind nur sehr schwer
zusammenzubringen —, so hat der Autor doch aus allen Teilen des BeobachtungSgebieteö
eine erstaunliche Zahl von Gegenständen zum Vergleich herangezogen. Schon die erhebliche
Anzahl von 370 Bildern bei 470 Seiten des Buches läßt einen Blick tun in die hervor-
ragende Reichhaltigkeit des Stoffes, der dem Verfasser vorlag. Dabei sind cs doch meist
ganz ausgesuchte Kleinodien des einzelnen Stoffgebietes, die dargestellt werden. Die Diözese
Rottenburg ist nur mit einer einzigen Abbildung vertreten, nämlich mit dem Seitenteil des
Chorgitters zu Zwiefalten, das sich allerdings in seiner einzigartigen Pracht sehr gut neben
den anderen Köstlichkeiten sehen lassen kann. Sonst ist e§ unmöglich, aus der verschwende-
rischen Fülle Einzelheiten hervorzuheben. Wir möchten dieses ausgezeichnete Buch vor allem
den Geistlichen empfehlen, den Hütern des Heiligtums und der darin befindlichen Kunst-
gegenstände. Ein vergleichender Blick von den Darstellungen des Buches aus auf das
Inventar der Kirche läßt leicht die großen Werte erkennen, die der Verantwortung der
Geistlichen in ihren Kirchen anvertraut sind. Hier gibt es keine Kleinigkeiten, die man
übersehen darf. Das meiste ist auch in seiner halbvergangenen Art zu schätzen und zu
erhalten. Oft ist es mit wenig Mitteln leicht möglich, einen Gegenstand wieder gebrauchs-
fähig zu machen oder einem anderen wichtigen und heiligen Zwecke dienstbar zu machen.
Auf diesen Gegenständen liegt nicht allein die Weihe der Kunst und des Alters, sondern auch
die Weihe der Frömmigkeit und des Opfersinns, aus deren Geist sie geboren sind. Auch von
diesem Gesichtspunkt aus ist das Werk Weingartners eine überaus verdienstliche Gabe.

Der Verlag hat für die Herausgabe des Werkes keine Mühe gespart. Der lateinische
Druck hebt sich vornehm ab von dem tadellosen Kunstdruckpapier, auf dem die Bilder ein-
drucksvoll zur Geltung kommen. Auch der Einband mit seinem Schmucke ist gut und solid.
Mögen die Anstrengungen von Autor und Verlag eine dankbare Lesergemeinde finden!

Söflingen. Weser.

Sizilien. Wanderbilder von Joseph Weingartner. Mit 15 Illustrationen.
Herder, Freiburg 1926. 12", VI und 162 S., geb. 4 M.

Ein prächtiges Reisebuch, das in neun Abschnitten die Herrlichkeiten des viel-
umstrittenen, vieleroberten Sizilien zeigt: Palermo mit einem Mussolini-Fest und einem
Ausflug nach Segesta, der Berg der Venus Erycina, Selinunt, Girgcnti, Syrakus,
Catania und Taormina. In die humorvolle Reisebeschreibung ist eine Fülle von gedrängten
historischen Betrachtungen cingestrcut. Der Hauptteil der Schrift gehört den reichen Kunst-
altertümern, den berühmten Tempelresten, den gewaltigen Ruinen, den bedeutenden Palast-
und Kirchenbauten aus normannischer und späterer Zeit und ihrer Würdigung. Daneben

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