Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 41.1926

Seite: 130
DOI Heft: 10.11588/diglit.15944.22
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15944.25
DOI Seite: 10.11588/diglit.15944#0134
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1926/0134
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
Gott. Eine feinsinnige und eingehende Lebensbeschreibung oder vielmehr LebenSanalyse vom
hl. Augustinus bildet die Einleitung, die diesem großen Geiste in einer edlen und tiefen
Sprache gerecht zu werden sucht. Dann wird dem Heiligen selbst das Wort gegeben, und er
redet zu uns über der Welt Geheimnis, über die Unruhe zu Gott, über Gott, iibcr die
Sünde, über Heiligung und Gnade und über das Gebet. Es ist eine Blütenlese von Pracht-
stellen aus den Worten des GeifteSriefen in prächtiger Übersetzung. Am Schluß ist die
Literatur angegeben, ein Verzeichnis der zitierten Schriften und die Ouellenbelege bei-
gefügt. Die Kupfertiefdrücke enthalten in einer Reihe von Bildern des großen Kirchen-
lehrers auch manche, denen man seltener begegnet.

Der zweite Teil, mit dem Untertitel „Gemeinschaft", umfaßt 23? Seiten mit 10 Bil-
dern zum selben Preis von 4.80 M. Er beginnt mit einer geistvollen Abhandlung über die
religiöse Gesamtanschauung und Lehre S. Augustins. Im ersten Teil ist der christliche
Individualismus des Heiligen zum Wort gekommen, der zweite Teil spricht sich über die
Religiosität der Gemeinschaft auö. Beide Grundftimmungen werden nun in eingehender
Weise besprochen und nachgewiesen. Im zweiten Teil tritt dann diese Gemeinschaftsreligio-
sität hervor in den Lehren des Heiligen über die zwei Städte: Weltstadt und Gottesstadt.
Die letztere zeigt Christus als Mittler zwischen dem Vater und den Menschen, dann de»
fortlebenden Ckn-ist,,« i» oc>- Gemcinickast Gsgphf,^ i», Wesen der Kirche,

der Heiligen Schrift, der Überlieferung, des Lehramts, der liturgischen Gemeinschaft und
des Verhältnisses zu den Getrennten) und in orr GemeinlMast for Lirbr lVächst?nli->l^
Gattenliebe, Frcundesliebe, Liebe zu den Verstorbenen, Armen, Feinden, Schwachen) und
in h,>>- GlMirinsMast der Koffniing durch Leiden zur Verklärung. So erblicken wir in der
ganzen Darstellung ein wundervoll geordnetes Lehrgebäude, daö allerdings als solches bei
Augustin nicht in einer vorweg intendierten Systematik vorliegt. Aber es ist von großem
Reiz, wie Karrer diese lückenlose Systematik aus den Werken des Heiligen vor uns auf-
baut.

Auch die Bilderausstattung dieses Bändchens vereinigt sich mit dem Tcrt, um das Bild
S. Augustins vor uns lebenswahr erstehen zu lassen. Eine prächtige und solide Buchtechnik,
welche die Leistungsfähigkeit des Verlags dokumentiert, hilft mit, diese Büchlein zu lieben
Begleitern von Seelen zu machen, die sich an großen und erhabenen Vorbildern erbauen
wollen. S. — W.

Unter der Palme. Gedicht von F. W. Weber, illustriert von Schwester
M. Olympias Schweizer in Altötting. Verlag „Ars sacra", Joseph
Müller, München 1923.

Eine Meisterin des Scherenschnitts gibt hier eine große Anzahl von feinstempfundenen
Zeichnungen zu einem Liede des Dichters Weber. In kleinen, fast überzarten Vignetten, in
Bildern voll ruhiger, märchenhaft einfacher und trauter Erzählung, in denen oft wie im
Sternenreigen ein schalkhafter Ton mitklingt, im großen Eingangsbilde der Madonna mit
dem Kinde in der kunstvollen Mandorla — in allem hat die Künstlerin Bestes gegeben.

Söflingen. Weser.

Das Jahr der Kirche. Kunstkalender ans 1927, mit 12 vierfarbigen Bildern,
41 Holzschnitten und Kupferstichen alter deutscher Meister, mit Be-
gleittext, herausgegeben von Dr. H. Getzeny. Fink, Stuttgart. Preis
3.60 M.

Ein i cizvolleö Kalenderwerk, das jetzt im zweiten Jahrgang erschienen ist. Es ist wahr-
lich eine Pilgerfahrt durchs Jahr und eine genußreiche Pilgerfahrt durch das Land der alten
frommen Kunst. Ein abwechslungsreiches Bild von Heiligenleben, ein tiefinniges Bild des
Marienlebens tritt uns aus den Bildern dieses Jahrgangs entgegen. Geistvoll erklärt die

130
loading ...