Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

Seite: 6
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Selbstverständlich hat nicht das Münster allein diesen Vorzug. Es teilt
ihn mit der Elisabethenkirche zu Marburg, dem Veitsdom zu Prag — und
auch das Ulmer Münster war ursprünglich als dreischiffige Hallenkirche ge-
dacht. Die Verwandtschaft mit dem VeitSdom erklärt sich sehr einfach.
Münster und VeitSdom sind P a r l e r k i r ch e n. Alle zusammen aber sind

Lueuzpartikel („Lalvarrenberg") im Rirchenschatz von Hl. Lreuz, Gmünd
Druckstöcle der 2-5 bcm Verlag der „Rcmszcitling", Gmünd

Denkmäler, die sich der deutsche Genius selber gesetzt. Den gotischen Stil mit
seinen Spitzbogen, Pfeilern, Streben, Krabben, Fialen, Wimpergen hat
er sich aus Frankreich geholt. Er ist Lehensgnt. Aber statt dasi er die Seiten-
schiffe sich ängstlich und bescheiden an das Hauptschiff anschmiegen läßt, wie
bei der Basilika, reißt er sie zur selben Höhe empor, als wollten sie sagen: was
dn bist, das sind wir auch, so wie da unten in unseren Hallen ein Stand
mit dem andern wetteifert in: Glauben und neben den: Glauben mehr und
mehr auch die Bildung sie einander näher bringt.

Diese eindringliche Sprache, in der die Baukunst des Münsters zu uns
redet, erfährt eine Verstärkung durch die Bildwerke, mit denen es der
Meißel des Steinmetzen geschmückt hat. Doch hier will ich nicht vorgreifen.
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