Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

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menten, wahrscheinlich verschieden zugespitzten Holzstäbchen, eingeritzt wurde.
Durch Freilegung des Silbergrundes entstand so eine sehr feine und dezente
Stoffwirkung. Mau wird dagegen einwenden können, daß die Fassung der
Stephans- und Marienfigur erst nack der Hinzufügung der Matthäusfigur
und mit dieser zusammen geschah. Daö ist aber sehr unwahrscheinlich. Spät-
gotische Ulm er Altäre ohne Fassung sind unbekannt, und daß Maria und
Stephan zu einem Altar gehörten, dürfte durch ihre ganz zweifelsfreie
Zusammengehörigkeit sicher sein. Auch eine spätere Überfassung einer bereits
vorhandenen Fassung hat bei diesen Figuren nicht stattgefunden. Wenig wahr-
scheinlich ist auch, daß die Matthäusfigur in der Fassung nachträglich von
fremder Hand zu der Marien- und Stephansfigur gestimmt wurde, dazu ist
die Übereinstimmung aller drei Figuren in der Technik der Fassung, vor allem
der deö Brokatftoffeö, zu groß.

Fassen wir das Resultat unserer Untersuchung zusammen, so ist die Zen
der Entstehung nach allem, was wir von Schaffner und Ulmer Kunst in den
beiden ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts wissen, zwischen 15IO und
1515 zu setzen. Für Schaffner stimmt diese Zeit für die Bilder, für den
Bildhauer für die Figuren. Sicher scheint es auch, daß wie die Bilder von
Schaffner, so die Figuren von einer Hand stammen. Wessen Hand
aber war es? Mit absoluter Gewißheit wird sich diese Frage nicht mehr ent-
scheiden lassen. Wir wissen zu wenig von Schaffner als Plastiker. Das
einzige erhaltene plastische Werk, das mit hinreichender Sicherheit auf Schaff-
ner zurückgeht, ist der Hochaltar des ehemaligen Klosters Weitenhausen. Tie
Schreinfüllung mit der Krönung Mariä befindet sich noch dort, die Flach-
schnitzereien auf den Innenseiten der Flügel sind in der alten Pinakothek in
München (vgl. die Abb. bei Baum „Altschwäb. Kunst", Abschn. Schaffner
und Manch, Abb. 57 u. 58). Man kann nicht sagen, daß die Übereinstim-
mung zwischen der Marienkrönung und den Schreinfiguren des Wafferalfin-
ger Altars über eine allgemeine Verwandtschaft hinausgeht, wie sie durch die
örtlichen ulmischen lind die ungefähren zeitlichen Zusammenhänge bedingt ist.
Enger ist die Verwandtschaft mit den Flügelbildern, besonders dem der Ge-
burt Christi, wo iu den Gewand- und Haarpartien größere Ähnlichkeit ver-
zeichnet werden kann. Wer weiß, wie stark Arbeiten einer Werkstatt von ein-
narlder abweichen können — Baum gibt in demselben Aufsatz dafür inter-
essante Belege auf Taf. 44 und 45 —, wird die Ansicht nicht von der Hand
weisen dürfen, daß die drei Schreinfiguren der Werkstatt Schaffners ent-
stammen. Jedenfalls scheint die Ähnlichkeit der Wafferalfinger Figuren mit
Schaffners Arbeiten größer als mit solchen MauchS zu fein, obwohl eiue
scharfe Trennung der Arbeiten der beiden Ulmer Meister, deren Zusammen-
wirken nachgewiesen ist, nicht mehr möglich ist. Letzten Endes kommt es darauf
nicht so sehr an, da die Figuren für Werkstattarbeiten und nicht für eigen
händig gehalten werden müssen. Es bleibt noch der Widerspruch zwischen der
durch die Wappen Alfingen-Rechberg bestimmten Datierung 1526 — 40 und
der durch stilistischen Vergleich gewonnen 15IO — 15 zu klären. Die einfachste
Lösung ist die, daß nur die Wappen, nicht alich die Stifterfigürchen bei der

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