Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

Seite: 15
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Verbringung des WasseralfingerS Altars um das Jahr 1 *5 31 neu angebracht
wurden, wobei eine Veränderung der Gesichtszüge des bereits vorhandenen
StifterpaarS nicht unmöglich ist; oder aber sind die Wappen, zumindest das
Rechbergfche, erst in einer späteren Zeit, die über die Stiftung nicht mehr
genau Bescheid wußte, angebracht worden (Ansicht von Pückler-Limpurg).
Dieser Meinung möchte ich mich nicht unbedingt anschließen. Die Wappen-
form ist gut und paßt in die Zeit um 1530. Die Wappenbilder sind richtig,
das Rechbergfche ist auch nicht die Übermalung eines älteren Wappens, das
dann der Gattin des Wolfgang von Alfingen, die um 15 10—15 lebte, ge-
hören müßte. Dafür, daß die Wappen nicht gleichzeitig mit den Stifterfigür-
chen vorhanden waren, spricht, daß sie nur lose angenagelt, nickt irgendwie
fest mit dem Kern des Holzes verbunden sind.

2. Die Restaurierung.

Von vornherein war mit der Restaurierung der Bilder lind Figuren die
Absicht verbunden, dem Altar wieder seine alte Zusammensetzung zu gebe»,
die er durch einen in das Jahr 1832 fallenden Umbau verloren hatte. Da-
mals war nämlich das ehemalige Predellenbild in den Schrein versetzt wor-
den, was die Folge hatte, daß die drei Figuren eng gedrängt in diesem standen
und die beiden kleinen Engelchen, die ursprünglich über der Muttergottes
schwebend deren Krone hielten, entfernt und an der damals neu angefertigteu
Predella angebracht wurden, wo sie links und rechts vom Tabernakeltürchen
wenig befriedigend ihren Platz erhielten. Schon Baum hat im Besitz von
Studienrat Wengert befindliche Zeichnungen des Wasieralfinger Modelleurs
Plock veröffentlicht („Altfchwäb. Kunst", Taf. 59,60), die den alten Zu-
stand des Altars zeigen. Noch zuverlässigere Zeichnungen von derselben Hand
befinden sich beim Landesamt für Denkmalpflege (f. Abb. 11). Diese wurden
der Restaurierung zugrunde gelegt. Dadurch, daß die Schreinfiguren auf eine
Stufe gesetzt wurden, deren ursprüngliches Vorhandensein sowohl die Plock-
sche Zeichnung als auch das Aufhören des Goldgrundes der Schreinrückwand
in Höhe der jetzigen Stufe bewies, ist mit einem Schlag das ungünstige
Größenverhältnis zwischen Tafelbildern und Schreinfiguren ausgeglichen und
die künstlerische Einheitlichkeit deö Altarwerks hergestellt. Die gleichzeitige
Zurückversetzung der die Krone tragenden Engelchen über das Haupt der Ma-
donna rundet die Komposition des Altars in feinster Weise ab. Damit dürfte
er sein altes Aussehen wieder besitzen. Der Befund beweist, daß der Schrein
ganz unverändert erhalten ist, ist doch die ikonographische interessante Bema-
lung der Rückseite (s. ,,Ellw. Iahrb." 1922 — 23, S. 22) in ihrem ganzen
Umfang unversehrt, wie dies auck bei den beiden beweglichen Flügeln der Fall
ist. Nicht ausgeschlossen ist, daß die feststehenden Flügel seitlich ein wenig ab-
genommen sind. Die teilweise fast unkenntlichen Schaffuerschen Gemälde sind
nach der Reinigung von einer Schicht von Schmutz und verdorbenem Firnis
in bester Erhaltung zum Vorschein gekommen, so daß hier eine Ergänzung
überhaupt nicht stattzufinden brauchte. Wer den Altar vor der Wiederher

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