Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

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fin Aiginslbries des Dalers Eomad Aber-Weisjenhom über seine
Altgrbilder in lllot, lllN. Lsupheim, im lüghmen seines Lebens

und Schaffens.

Von Anton Nage l e.

I.

Nach der einwandfrei festzustellenden Stätte feiner Geburt und ersten
künstlerischen Ausbildung, wie nach dem großen Verbreitungsgebiet seiner
Kirchenbilder gehört unserer engeren schwäbischen Heimat ein Künstler an,
besten Namen leider weder in WintterlinS „Württembergifche Künstler" noch
in Heyds „Bibliographie der württembergischen Geschichte" ausgenommen ist,
eurer der bedeutendsten Kirchenmaler an der Wende des 18. zum 19. Jahr-
hundert, besten Wiege in Weingarten stand, besten Grab in Weißenborn
jetzt nicht mehr erhalten ist. Vor bald hundert Jahren starb der Meister rn
einer kleinen Stadt Bayerisch-SchwabenS, besten Tod der amtierende Geist-
trche (Stadtpfarrer Dekan Knappich von Weißenhorn) mit einer außerge-
wöhnlichen Extranotiz im Kirchenbuch registrieren zu müssen glaubte: „War
ein berühmter Kunstmaler und ebenso berühmter Staatsdiener, Bürger und
Christ, eine wahre Zierde der Stadt Weißenhorn"'). Diese überaus ehren-
vollen Worte in einer Spalte des Totenregisters gelten dem am 17. Mai
1830 dahingeschiedenen Maler Konrad Huber, der über 50 Jahre sei
neö arbeitS- und erfolgreichen, hauptsächlich der kirchlichen Malerei gewid-
ineten Lebens in dem Illerstädtchen zubrachte (1773 — 1830) und daselbst an
der Seite seiner beiden Gattinnen seine Grabstätte gesunden hat.

Mit gewissem Recht hat sich in der kunftgeschichtlichen Nomenklatur
die Bezeichnung Huber-Weißenhorn eingebürgert, wie denn schon der
Meister selber des öfteren also signiert zum Unterschied von nicht wenigen an-
deren Trägern desselben Namens und Zunftgenosten seiner Zeit. Freilich bar
dieser Beiname wohl hauptsächlich eS mitverschuldet, daß der als Mensch
und Künstler hochangesehene Meister von und für Bayern völlig in An-
spruch genommen, im Heimatland, der Stätte seiner Geburt und Ausbildung,
vergessen und mehr als einmal in der neueren kunstgeschichtlichen Literatur mrl
seinem als Freskomaler vielleicht bedeutenderen Namensvetter Joseph Anton
Huber von Augsburg verwechselt wurde. Für seine Mitbürger eigentlich erst
entdeckt und in seiner Adoptivheimat zu Ehren gebracht hat den Künstler der
ireffliche, 1909 gestorbene Weißenhorner Stadtpfarrer und Dekan Joseph
H o l l °), der nicht ohne große persönliche Opfer eine Sammlung von Huber-
bildern zustande gebracht und zunächst in der oberen südlichen Sakristei der
Stadtpfarrkirche einen passenden Raum dafiir bereitgestellt hat. In seiner

*) Mitgctcilt von Stadtpfarrer I. Holl in der Broschüre: Der Wcißenhorner Kunstmaler Konrad
Huber, Augsburg 1890, S. 10. Die Auslieferung des weit und breit einzige» Exemplars aus Fugger-
baue Rot verdanke ich H. Kustos Heinle-Weisteuborn, Die Broschüre ist im wesentliche» Iubalt wieder-
gegeben in der 1904 erschienenen Geschichte Weistenborns, S. 204 ff.

") Über Hoff, s. Stcidle, Joseph Holl 1844— 1909, seine Verdienste um Huber ebenda S. 15.
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