Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

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III.

Schon der gewaltige Umfang dieses künstlerischen Lebenswerks Hubers
nötigt uns Achtung ab, doch die Quantität allein entscheidet nicht das Urteil
der Nachwelt. Die Verdienste um Patronatskirchen oder Fürstenbildniste
fanden frühzeitig Anerkennung, den Titel eines fii rstlich-öttingenschen
Hof-Kammermalers bezeugt der in Rot gefundene Originalbrief mindestens
für die Zeit nach 1825. Zeit und Anlaß der Verleihung ist seinem Bio-
graphen Holl nicht bekannt. Der Übergang von der Freskomalerei zum Öl-
gemälde, der Umschwung der Zeiten vom lebenslustigen Rokoko zum fromm-
süßlichen Nazarenertum prägt sich in den verschiedenen Stationen feines 52-
jährigen Schaffens nicht undeutlich aus. Schou der alte Nagler23) glaubte
die Schwächen seiner qualitativ nicht immer befriedigenden Mastenarbeit
entschuldigen zu müsten mit Hubers Armut, seinem Bildungsgang, seinem
Kampf mit widerlichen Schicksalen, will aber dem frommen, rechtlichen, keine
Bitte abschlagen könnenden Meister seine Verdienste nicht absprechen. „Ihm
standen nicht immer die besten Mittel zu Gebote." Hm Vergleich mit seinem
Lehrmeister Martin Kuen, dem Maler der Wiblinger, Roggenburger uno
Ulmer (Wengenkirche) Fresken, die Bergmüllers Schule (1688 — 1762)
verraten, bedeutet Konrad Hubers Kunstschaffen nicht in allweg einen Fort-
schritt. Er arbeitete oft rasch und, was unser Roter Brief auch bezeugt,
immer billig. Manchen Bildern siebt selbst sein Lobredner Joseph Holl24) die
Flüchtigkeit an. Die theatralischen Staffagen KuenS schränkt Huber noch
mehr ein als die anderen Nachahmer PozzoS, Bergmüller, Asam, Göz u. a.,
die die Architektur des Kirchenraums nach oben fortsetzen. An Stelle der
früheren Theaterfiguren ans Stiegen, Galerien, Gesimsen und all des exoti-
schen Pomps sehen wir ländlich einfache, ursprünglich-naturwüchsige Gestal-
ten, Engel, Heilige. Hirten, heimatliche Landschaften und heimatliche Typen,
zum Teil aus dem Freundeskreis genommen, bisweilen etwas idealisiert nach
italienischen, besonders rafaelitischen Zügen. Etwas vom Duft und Schim-
mer der Frührenaissance glaubt deshalb einer der besten Kenner jener Zeit,
Berthold Pfeiffer, in Hubers Bildern zu finden25), er rühmt den innigen
Gefühlstou, die zarte Farbenstimmung, die bezaubernd naiven Züge, die der
Weifienhorner Meister in die schwäbische Freskomalerei hineinträgt. „in ihm
findet die schwäbische Malerei einen auch koloristisch vollwertigen Abschluß."
Dazu kommt der höhere seelische Gestalt, die größere Andachtsftimmung, die
alle seine Bilder durchweht. ..Huber malte betend und betete malend", be-
zeugte ein Zeitgenosse des Künstlers2"), der als seinen Grundsatz prokla-
mierte, mit seinem Pinsel zu predigen, die Menschenfreundlichkeit Christi und
die Verwerflichkeit des Lasters und Unglaubens darrustellen. Manche seiner
Gestalten mit ihrem zarten Kolorit, ihrer lieblichen Anmut, ihrer Beseeltheit
erinnern an Fiesole. Seine gern verwendeten Engelsfiguren und Engels-
köpfe erscheinen weder in so üppigen Schwärmen wie bei andern. Italienern
und italienisierenden „welschen" Malern, noch in so massiger Fleischlichkeit
wie bei Rubens.

2=y VII. 162. -4) Hul'er, S. 5. Donaukreis, S. 33. 20) Holl, S. 6.

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