Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

Seite: 32
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Nische für eine kleine Gruppe. Der Prediger ist den Gläubigen überall seh-
bar und hörbar. DaS Holzlamellengewölbe, früher nur ans Sparsamkeits-
gründen verwendet, zeigt hier seine künstlerischen und praktischen Vorzüge.
Der Dachraum ist bestmöglich ausgenützt. Der Bau erfährt einen sehr leben-
digen, reizvollen Abschluß nach oben, der dabei den Vorzug feiner Klangwir-
kung hat. Die Kirche ist einschiffig. Rechts und links ziehen sich I Meter
breite Seitengänge nach vorn, die gekennzeichnet sind durch die dunkel gebeiz-
ten Holzstützen aus ausländischem Oregonholz, auf denen dann an Stelle von
Mauerwerk die Lamellenkonstruktion ruht. Kommunionbank unten an
den Stufen, Kanzel, Beichtstühle, Knie- und Sitzbänke, Holzstützen sind im
gleichen dunkelbraunen Beizton gehalten, der dem Innern etwas Ernstes und
Feierliches verleiht. Die Fenster des Schiffes und der westlichen Rückwand
haben einfache Spitzzackenform und lasten durch ihr Kathedralglas übergenug
Licht einströmen, trotzdem sie ungewöhnlich schmal, fast schlitzartig sind. Die
Sängerempore hat Terrastenform. Von ihr führt die Türe zur Freikanzel.
Was mit Recht für einen neuzeitlichen kath. Gottesdienftraum gefordert wer-
den kann: Weitung des Hauptraumes, Verkürzung und Verbreiterung des
engen Kultrauntes, also des ChoreS, Verzicht auf Säulen und Pfeiler, die
den Blick und damit die Andacht stören, Umschaffung der Nebenschiffe in
bloße Gänge und Beicht- oder Taufnischen, das hat Herkommer hier erreicht.

Der zweckmäßige Baugedanke beherrscht das Ganze des Innern. Für den
Maler bleibt wenig Raum. Die Baukunst ist hier Malerin, d. h. sie be-
lebt, gliedert, gleicht aus, erfreut durch Wechsel der Stimmung und erzielt
Geschlostenheit der Raumwirkung. Gleichwohl kann die Baukunst nicht ganz
auf die Farbe verzichten. Die etwas herben Töne: rot, grün, gold, blau sprin-
gen über von den bemalten Kapitälen der Chorsäulen zu den Schnittpunkten
der Lamellen des Schiffsgewölbes. Leider finden diese Töne sich nicht zum
Farbenteppich des Glasgemäldes. Daö Glasgemälde selber ist entworfen
von Kunstmaler I. Paulweber (Ummendorf) und wurde ausgeführt von der
Firma Schneider, Regensburg. Es stellt den hl. Augustinus dar, wie er über
das vorzeitliche Geheimnis der Dreieinigkeit uachdenkt und es nicht ergründet,
was durch den meerauSschöpfenden Knaben angedeutet wird. Der Bildaufbau
ist geschlossen. Die Hauptfigur deS afrikanischen Kirchenlehrers in Uber-
lebensgröße weicht von der üblichen Auffassung ab. Die Dreifaltigkeit fügt
sich oben gut in den Spitzbogen. Zwei Engel knien in sich versunken davor.
Als Gegenstück zum Knaben ist ein rudernder Seemann gegeben. DaS Bild
trägt strenge, harte Art, auch in der Farbe, die natürlich mit der innigen
Glut gotischer GlaSteppiche nicht in Wettbewerb treten kann und will. Neu-
zeitliche Farbversuche sehen wir an dem sechSflügeligen Haupleingang, auf
dessen kastanienbrauner Bemalung für jedes der drei Tore grüngelbe Holz-
sterne anfsitzen, ein öfters wrederkehrender Vorwurf; ferner im Windfang,
wo ein gedämpftes Weinrot in die grün-goldenen Zwickel hineinspielt. Der
freie Platz unter der Empore, wo unter der Freikanzel mit Geschick ein Beicht-
stuhl hineingebaut wurde, weist weiches Grün auf, das auf den mattgelben
Grundton des Schiffs einstimmt, der die geräumige Halle noch heller und

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