Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

Seite: 33
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weiter macht. Ob das Violett im Chor auf die Dauer erträglich ist und
nicht etwa durch Dunkelblau ersetzt werden muß, ist eine ungelöste Frage.

Die Kirche zählt etwa 550 Sitzplätze und kann im ganzen 1100 Mensche»
taffen. Die Innenausstattung ist bewußt arm gehalten und weist auch keine
Möglichkeiten auf für spätere „Bereicherungen" etwa durch Aufstellen von
Heiligenfiguren oder durch Bilderschniuck. Nur das Wesentliche ist da, vor-
geschrieben durch einen ausgesprochenen Sinn für Sachlichkeit, der die Form
als materialgewachsenes Gesetz, nicht als lebendiges Phantasiewirken erlebt
und gestaltet wie etwa im Barock. Alles ist errechnet, ausgedacht, gestalteter
Verstand, ohne Wert zu legen auf dir Kräfte des Gemüts, was in katboli-
schen Kirchen der Vergangenheit vorherrschend war. Die Kultgeräte harren
noch auf ihre Stifter. Nur die M o n ft r a n z ist fertig, eine Stiftung des
H. Fabrikdirektors Fritz Schober bei Bruckmann; letztere Firma bat die
Monstranz, ein Meisterwerk, auch auSgeführt durch Frl. Paula Strauß
»ach den Entwürfen von Johann Michael Lock, der ein feines Gefühl für
diese Art von Kunftgewerbe verrät. Die Monstranz hat die bekannte ovale
Strahlenform ohne störendes Zuviel. Echte Steine glühen aus dem Fein-
geflecht des Goldes und macken das Kunstwerk auck sachlick wertvoll.

Einige Maße mögen noch Aufmerksamkeit finden: Gesamtgröße:

14 Meter breit, 45 Meter lang ohne Turin- und Portalbau; Traufhöhe
11 Meter; First- und Giebelhöhe 20 Meter. Turm 8 X8 Meter, bis zum
Austritt 55 Meter hoch, mit Aufsatz und Kreuz 44 Meter hoch. Schiffbreite
zwischen den Stützen 10 Meter; Gewölbehöhe 12 Meter. Chor 6 Meter-
breit zwischen den Säulen; 7,5 Meter tief und 8,5 Meter hoch. Die 14 Joche
des Schiffes zwischen der Empore und dem Altarraum haben eine Länge von
28 Meter.

Das Äußere der Kirche mit Turm ist aus Heilbrouner Sandstein, der
mit dem Hammer bebauen, sehr gut wirkt. Eisenbeton kam reichlich zur Ver-
wendung. Die Böden in Kirche und Unterbau sind SanitaSsteinholzböden
(Firma Weiler u. Grauer, Heilbronn). Die Altäre ftannnen aus den Ru
poldinger Marmorbrüchen. Altarftufen sowie Chorboden bilden Solnhofer
Schiefer-platten. Die Gesamtkosten für die Kirche samt Innenausstattung
belaufen sich auf rund 550 000 Mark. Das llrteil ist gestattet, daß billig
gebaut wurde im Vergleich zu anderen gleichzeitigen Kirchenbauten des Lan-
des. Die Unternehmer (Baugeschäft Ensle u. Wolz) haben verläßlich und
preiswert gebaut. Die Bauberrfchaft aber hat nicht nur der Gemeinde ein
schönes, neuzeitliches, zweckdienliches Gotteshaus, der aufstrebenden Indu-
striestadt einen landschaftlichen Schmuck geschenkt, sondern auch in der har-
ten Zeit der Arbeitslosigkeit vielen Erwerbslosen Verdienstmöglichkeit ge-
schaffen. Möge die GotteSburg auf der Vilmathöhe den rührigen und opfer-
willigen Heilbronnern eine Zuflucht sein inmitten der hundert GegenwartS-
uöte und ein Zeichen, das eine schönere Zukunft heraufbringt!

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