Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

Seite: 37
DOI Heft: 10.11588/diglit.15945.8
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15945.9
DOI Seite: 10.11588/diglit.15945#0042
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1927/0042
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
Redigiert i. V. von Prof. Dr. A. Näsele, Schwab. Gmünd, Bogelbof 3.

Eigmitum des Rottendurger Diözcsan-Knnftvereins e. B. Erscheint vierielläbrlich. Kommissions'Berlag und Druck der
Schwabenverlag Aktiengesellschaft Stuttgart. Bezugspreis jährlich Mk. 7.50. Bestellungen nehmen sämtliche Buch-
hand ungen ,owie auch der Verlag entg gen.

xui. 2. Heft 1927

Aus Dem Leben und schaffen eines schwäbischen Mfflers in lkiom.

Zum Gedächtnis des 100. Geburtstags des Bildhauers Prof. I. v. Kopf

(1827- 1903).

Von Anton Nägel e.

In den Kranz der jahrtausendealten Beziehungen zwischen Deutschland
und Italien flicht das Leben und Schaffen eines schwäbischen Künstlers einen
besonders beachtenswerten Zweig. Seit den Tagen WinüelmannS und Ra-
phael Mengs', TborwaldsenS und Karstens hatte die Anziehungskraft R o m S
als Weltkulturftätte die kirchlichen, politischen und wirtschaftlichen Interessen
vor den künstlerischen und wissenschaftlichen zurücktreten lassen. Auch deutsche
Kunstjünger beteiligten sich seit der letzten Jahrhundertwende wieder in stei-
gendem Maße an der Wallfahrt nach der hohen Schule der bildenden Künste
und bedienten sich der reichen Bildungsmittel, die Rom bot, zu lernen und
zu schauen, zu arbeiten und zu genießen, zu verdienen und zu verbrauchen. Die
Geschichte der deutschen Kolonie in Rom haben uns zwei verdiente Historiker,
v. G r ä v e n i tz und N o w a cf, mit ungleicher Verteilung von Stoff und In-
teresse darzubieten versucht. Dieser Weltchronik eigener Art vermag Meister
Joseph Kopf manch bedeutsam Blatt einzufügen; auf der Höhe seines Le-
bens hat er den Meißel mit der Feder vertauscht und eine ganze Welt von Er-
innerungen, die er während fünf Jahrzehnten in sich trug, in den leider in der
Buchausgabe stark verkürzten „L e b e n s e r i n n e r u n g e n" (1899) nieder-
gelegt.

Nicht ohne schmerzliche Vorahnung, daß im neuen Jahrhundert die
deutsche Kolonie in Rom nicht mehr die alte Bedeutung erlangen werde,
glaubte Sigmund Münz an der Grenzscheide zweier Jahrhunderte „Ein-
balsamierungSdienst" tun zu müssen an den Trägern deutsch-römischer Be-
ziehungen in Kunst und Kirche, in Politik und Wissenschaft; er wollte in sei-
nen „Römischen Profilen und Reminiszenzen" (1900) die vom Hauche
Goethes und GregoroviuS noch berührten Lebensgeister des sterbenden Jahr-
loading ...