Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

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Schloß Oranienbaum bei Petersburg (1859), Venus mit Delphin (Rosen-
stein-Stuttgart 1859), Tänzerin (Residenzschloß Stuttgart 1859), Nymphe
eine Satyrherme umarmend, Nymphe mit Eidechse (Schloß Berg 1865),
Mädchens Klage nach Schillers Gedicht, Amor und Psyche (Heiligenberg
1891), Mignon, Märchen, die vier Jahreszeiten (Schloß Berg und Heiligen-
berg), badende Knaben, Sklavin (Hamburg 1867), Diana, Bacchus, Bac-
chantinnen, Amoretten, Fortuna, Nemesis und andere Gestalten der antiken
und deutschen Sagenwelt in neuschöpferischer Erfindung, vielfach in einer
Begas verwandten Barockkunst.

Wie die Gartenplastik verdankt die Sepulkralkunft unserem Mei-
ster die Neubelebung des vielfach verflachten Porträtreliefs an nicht wenigen
Grabdenkmälern, reiche Winke und Beihilfe zur Verdrängung roher Hand-
werksarbeit oder der Unkultur pompöser Fabrikware, die so oft unsere Fried-
höfe entstellt. Die harmonische Verbindung edler tektonischer und plastischer
Ausdrucksformen bald in barocker Realistik, bald häufiger in antiken Formen,
Ruhe und Klarheit sehen wir an Waiblingerö Grab in Rom 1864 (Säule
mit Medaillon), in Gries-Bozen (Vizeadmiral WüllerSdorf 1883), in
Stuttgart (Jüngling auf Sarkophag), am Grabmal des Architekten Ludwig
Lang (ff l 878). Noch seltener sind K l e i n k u n ft w e r k e vertreten wie Pla-
ketten (Luxemburg) oder G r a f i t i, wie am Pofthotel auf dem Brenner zum
Gedächtnis von Goethes Italienfahrt oder im Rittenhotel ober Bozen.

Die Ernte eines langen Lebens, eines selten rüstigen Greisenalterö,
das dem 75jährigen noch Porträtskulpturarbeiten erlaubte (Voß, Schwein-
furt, Naft 1902), war eingeheimst; das vorletzte Lebensjahr verschönte noch
die seltene, nur noch Bildhauer Gerhardt vergönnte Feier des Jubiläums
50jährigen Romaufenthalts (1852 — 1902). Diesen Lebensabend voll rei-
cher Lebenserfahrung und Menschenkenntnis, voll ungebrochener Freude am
Schönen, voll jugendlicher Begeifterungsfähigkeit und Lernbegier, die den
Umgang mit dem jovialen, natürlich-einfach sich gebenden Künstler nach dem
Zeugnis von Zeitgenoffen so angenehm gestalteten, verschönte fernerein schönes
Heim in der Via Nazionale, das bis heute im Besitz der jüngsten Tochter
(Anna Kopf) mit seinen freilich dezimierten, von Pollack beschriebenen
S a m m l u n g e n von Meisterwerken aus allen Epochen, Freundesgaben gro-
ßer zeitgenössischer Künstler, z. B. KopföPor träte von Rossini, Lenbach,
Böcklin, Herkommer (Abb. 7) u. a. erhalten blieb. Den Nestor der deutschen
Künstler raffte am 2. Februar 1905 eine Lungenentzündung im Alter von
fast 76 Jahren hinweg, seine Asche ruht auf dem deutschen protestantischen
Friedhof unter den Pinien und Zypressen bei der CeftiuSpyramide, nahe beim
Grab von Goethes Sohn. Rom, die Wiege feines Glücks und seiner Künst-
lergröße, ward auch seine Grabesstätte.

Mit der von Staat und Stadt in Stuttgart 1925 veranstalteten Aus-
stellung „Das schwäbische Land" wurde auch eine Ausstellung „Die schwä-
bische Kunst des 19. Jahrhunderts" verbunden, beschränkt auf Werke, die
von bedeutenden, im Lande geborenen oder dort tätigen Künstlern stammen
und „dem rückschauenden Blick noch heute von künstlerischer und historischer

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