Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

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Die MgergMchtniskirche $f. Llilsbeth in Ulm.

Von Prof. Dr. I. Roh r, Tübingen.

Ein würdiges Gotteshaus für die 5000 Katholiken von Ulm-West war
schon längst ein dringendes Bedürfnis. Der Krieg und der Zusammenbruch
schienen seine Erfüllung in absehbarer Zeit auszuschließen, mußten sie aber be-
schleunigen und zum Abschluß bringen helfen. Die Idee, den Neubau dem
Kriegergedächtnis für das ganze Land ju widmen, machte das Unmögliche zum
Ereignis. Mit den regen und opferwilligen Händen der Ulmer Gemeinde
verbanden sich Tausende und Tausende draußen im Land und eine zielbewußte,
beharrliche und taktvolle Werbearbeit sorgte dafür, daß sie nicht erschlafften.
So konnte man dann an die Ausführung des von G.-Architekt Schlösier-
Stuttgart gefertigten Planes herantreten, und im Juni 1923 erhielt das
Werk die feierliche Konsekration. Für das Gesamtbild UlmS bedeutet es eine
gelungene Verbindung mit Söflingen, für lllm-Wcst eine Zierde, für die
Elisabethenpfarrei den religiösen, und wenn die vorerst noch zurückgeftellten
Projekte ausgeführt sind, auch den caritativen und sozialen Mittelpunkt.
Der Gemeinderat Ulm hat ihm durch den einstimmigen Beschluß, vor der
Kirche eine der schönsten Anlagen der Stadt zu erstellen und zu unterhalten,
eine prächtige Fassung geschaffen. Die Kirche selber entspricht dem Charak-
ter ihres Rahmens. Das Skelett besteht aus Eisenbeton, die Füllung ans
Schlackenbeton, beides nach oben abgeschlosien durch ein Rabitzgewölbe. Zwar
kam manches, was der ursprüngliche Bauriß enthielt, vorerst in Wegfall. ES
fehlt noch der Turm. Der Chor erhielt keinen Umgang. Das Schiff bekam
statt sieben nur fünf Joche. Die basilikale Anlage (hohes Mittelschiff, nied-
rige Seitenschiffe) wurde preisgegeben, aus Ersparnisgründen wurden alle drei
Schiffe unter einem einzigen hohen Dache vereinigt. Trotzdem steht der Neu-
bau monumental und wuchtig in seiner Umgebung. Zwar sind die Außen-
wände schlicht gehalten, aber jede Seite ist wieder in anderer Weise belebt:
Die Ostseite (Lützowstraße) durch die Eingangshalle mit 8 Stufen (über 14
Meter lang), 6 Pfeilern (über 9 Meter hoch) und Barockgiebel, die Nordseitc
(an der Söflinger Straße) durch das Seitenportal mit 4 Säulen, die Süd-
feite durch den Windfang in der Mitte, flankiert von zwei Nischen für die
Beichtstühle, die Westseite (Blücherstraße) durch den Chor- und Sakristei-
anbau. Auch bauen sich die hohen, rundbogig abschließenden Fenster über Ge-
simsen mit je zwei Konsolen auf und ein stilechter Dachreiter mit Uhr bekrönt
das Ganze.

Im Innern bergen die Seitenräume des Windfangs eiue dem Krieger-
gedächtnis speziell gewidmete Kapelle und die Treppe zur Orgelempore. Letz-
tere wird getragen von vier Pfeilern und baucht sich in einer Kurve nach der
Schiffseite aus. Die Pfeiler sind einfach gehalten, aber doch auf jeder Seite
belebt durch eine vorgelagerte Blendfänle mit eigenem Sockel und Kapitell,
unter sich verbunden durch geradliniges Gebälk, mit ihrem Antipoden gegen-
über durch ein flaches Tonnengewölbe mit Stichkappen. Die Seitenschiffe sind

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