Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

Seite: 64
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Schmidt), Teppiche (Läuferweberei Gmünd), Hängeleuchter in Holz und Metall (Britsch,
Köhler), Paramente (Kanisiushauö). Alle bis auf die drei in Stuttgart und in Iggingen
(OA. Gmünd) ansässigen Aussteller haben in Gmünd selbst Wohnsitz und Werkstatt.

Von der städtischerseitö gewünschten, nachträglich beschloffcnen Verbindung der Tagung
des Diözesankunstvereins mit der G m ü n d c r M ü n st e r f e i e r erhoffte man Zuwachs
an auswärtigen Besuchern für letztere kirchliche Jubiläumsfeier. Ob dieser mehr der einen
oder der anderen Veranstaltung zugute gekommen ist? Jedenfalls haben beide an dem nicht
sehr großen Zustrom von auswärts profitiert, während der über Erwarten zahlreich Be-
such der Kunstausstellung vor allem dem Interesse der einheimischen Bevölkerung zuzu-
schreiben ist. In der Absicht und Aussicht, dieses Interesse durch ein weiteres, meist aus
der Fremde hergeholtes Ausstellungsfach zu wecken, die befürchtete Ausstellungsmüdigkeit zu
beleben und das nach Qualität und Quantität anfänglich nicht befriedigende Ergebnis der
Einkäufe zu heben, sollte sich der Anreger der Heiligenbildchenschan nicht getäuscht scheu.
Ohne Zweifel hat gerade die Ausstellung der alte» Heiligenbilder in Kupferstich,
Pergamentmalerei, Nadelstich- und Ausschnittechuik, in Farbenholzschnitt und Seidedruck
einen ungetrübten Eindruck hinterlaffcn. Die erstmalige Darbietung solcher alter Klein-
kunstschätzc im Gmünder Kunstgewerbemuseum, das schon so viele Ausstellungen alter und
neuer Graphik und Malerei beherbergt hat und in der Erhardscheu „Bilderchronik" ein
unschätzbares Kleinod heimatlicher Bildersammlung besitzt, enthüllte den vielen, künstlerisch
geschulten Augen, den an den Kleiuschcpfungcn der einheimischen Industrie geschärften
Blicke» Feinheiten und Werte, die vielfach noch völlig ungenützt liegen. Die Hauptbestände
dieser „einen seltenen Genuß", nach einer Zeitungskritik, bietenden Ausstellung stammen
aus den Privatsammlungen von Pfarrer Albert Pfeffer in Lautlingen (OA. Balingen),
Pfarrer Herm. Aich in Hcmmendorf (OA. Rottenburg, aus Gmünd gebürtig), Pfarrer
Strigl in Micterkingen (OA. Saulgau) und Prof. Dr. A. Nägele in Gmünd.

Die stimmungsvollen, feierlich-würdigen R ä u m e, die in Gmünd zur Verfügung ftan
den, trugen nicht wenig dazu bei, den Gesamteindruck all dieser reichen AusstcllungSgcbiete
zu erhöhen und einzelne Arbeiten in günstigeres Licht und passendere Umgebung zu setzen.
Dem gütigen Entgegenkommen der Direktion der staatl. Fachschule, H. Prof. Klein, ver-
dankt der Diözesanverein die Überlassung der Aula mit ihren hohen, breiten Wänden und
ihren stattlichen Schränken, dem Vorstand des Kunstgewerbemuseums, Herrn Fabrikanr
Bauer die Einräumung zweier Säle. Auf diese drei ansehnlichen, für jede Art von Kunst-
schau eingerichteten und erprobten Räume verteilt, mußte unsere kirchliche Kunstausstellung
in Gmünd einen weit vorteilhafteren Eindruck erwecken, als es nach Urteilen von Augen-
zeugen leider der Ulmer Ausstellung bcschieden war, die anläßlich des theologischen Pfingst-
ferienkurses 1925 in dem einzigen kleinen MuseumSsaal veranstaltet worden war. Neben
zwei in Gmünd ansässigen Goldschmieden war in Ulm besonders reichhaltig vertreten die
Münchener Werkstatt des Gmüuders Seitz, dessen Arbeiten wir deshalb, auch abgesehen von
den Transport- und Versicherungskosten, der Kürze der Vorbereitungszeit halber nicht in
seine Vaterstadt kommen lassen konnten.

Eine geschäftliche Erfahrung bei dieser Kunstausstellung sei hier nicht ganz verschwie-
gen: an dem im Geschäftsverkehr mit kirchlichen Kreisen da und dort beklagten Mißstand
scheinen auch einzelne in Kirchcnkunst tätige Laien Anteil zu haben. Wenn auf persönliches
oder schriftliches Ersuchen dcö vielgeplagten Beilreibers die Zusage der Beteiligung an der
Ausstellung glücklich erfolgt ist, sollte man die annähernde Einhaltung des durch Zirkula-
tion und Zeitungsausschreiben notwendig verlangten Endtermins für schriftliche Anmeldung
der Gegenstände und vollends für Einlieferung der zugesagten und angemcldeten Arbeiten
erwarten können. Hier muß der Klein- und Handwerksbetrieb vom Groß- und Fabrikbctrieb
die Promptheit der Geschäftserledigung auch im kleinsten noch lernen, von den pfarrlichen
Kanzleien nicht zu reden. Ebenso sollte man die Zurücknahme einer Zusage bezw. die Un-
möglichkeit einer geplanten Beteiligung an der Ausstellung schriftlich mitteilen, nicht erst auf
telephonische Anfrage über Ausbleiben am Vorabend der Eröffnung warten lassen! Diese
und andere Ausstellungsschmerzen seien künftigen Veranstaltungen des Diözesankunstver-
eins zur Verhütung oder Heilung empfohlen.

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