Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

Seite: 75
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Schussenrieder Mönchswohnung ins Auge fasten, so gelangen wir zu nach-
stehendem Schluß: Das aus der Baronenburg entstandene, anfängliche Schns-
fenrieder Kloster war ein nicht sehr imponierender Fachwerkbau, allein seine
Grundmauern erwiesen sich als unverhältnismäßig fest, dick und umfangreich.
Weil dieses Gebäude zu total anderen als klösterlichen Zwecken errichtet
worden war, so war eS in seiner späteren Eigenschaft als Kloster völlig unzu-
reichend und konnte nur als provisorischer Notbehelf angesehen werden. Des-
halb machte sich die Notwendigkeit der Erbauung eines neuen, geräumigeren,
den monastifchen Bedürfnissen in der traditionellen, typischen Manier gerecht
werdenden Klostergebäudes von Jahr zu Jahr mehr und mehr geltend.

Der Standort des vormaligen Freihcrrnfchlostes und zugleich ersten
Klosters von Schuffenried ist da zu suchen, wo seit Beginn des 13. Jahr-
hunderts in dem neuerstellten OrdenShauS sich das Mönchsrefektorium (zu
unterscheiden von dem Speisesaal der Laienbrüder!) befunden hat. Dieses
Refektorium der Chorherren lag zwischen dem südlichen Teil des sog. Hof-
gebäudeö (dies ist der Westflügel) und dem Konventsbau (Wohnung der
Mönche). Wenn wir Benennungen aus der Gegenwart gebrauchen wollen, so
können wir sagen: Die alte Baronenburg, daS früheste Schussenrieder Kloster,
stand auf dem Terrain zwischen der derzeitigen Amtswohnung des Forst-
meisters und den gegenwärtig dem Hüttenwerksvorstand zugewiesenen Räum-
lichkeiten, somit etwa an demjenigen Teil des sog. alten Klosters (Schlosses),
wo jetzt das Lokal der evangelischen Konfessionsschule eingebaut ist.

Hier im ursprünglichen Klostergebäude wohnten die aus der damaligen
Propstei Weißenau berufenen Norbertinermönche von 1183 bis zur Nieder-
legung dieses ersten Prämonstratenser-OrdenöhauseS zu Schuffenried im Jahr
1229. Ihr 46jähriger Aufenthalt in dieser ersten und ursprünglichen Be-
hausung an der Schüssen war nur auf kurze Zeit durch ihr zeitweiliges Exil,
eine Folge der sog. Wartenbergischen Wirren, unterbrochen worden.

6. Das alte Kloster.

Im engeren Sinn versteht man heutzutage unter dem „alten Kloster'^
dasjenige dreistöckige Gebäude, dessen Westflügel sich an die Südseite der
früheren Reichsftiftö- und jetzigen Pfarrkirche anlehnt und dessen südlicher
Flügel sich parallel der Kirche gegen Osten hinzieht. Gegenwärtig sind in dem
unmittelbar an die Kirche anschließenden Teil des Westflügels die Wohnungen
der beiden Kapläne eingebaut, in die mehr südlich gelegene Partie aber
Zimmer für den evangelischen Pfarrer und den Forstmeister; der Rest der
evang. Pfarrers- und der Forstamtswohnung liegt im Südflügel des Ge-
bäudes. Es schließt sich sodann in letzterem Flügel das protestantische Kon-
fessionSschullokal und die Wohnung des Vorstandes des staatlichen Torf-
werks an; weiter nach Osten hin liegen die Wohnungen und Kanzleien der
Hüttenwerksbeamten. Der westliche und der südwestliche Teil des Hauses steht
zur Zeit im Eigentum und in der Verwaltung der Domänendirektion, die
anderen Gelasse dagegen sind dem Bergrate unterstellt. In der Klosterzeit war

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