Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

Seite: 85
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tüchtige Kräfte herangezogen, war aber in der angenehmen Lage, mehrere der-
selben aus nächster Nähe holen und ein Werk erstellen zu können, das in allen
seinen Teilen, vom Turm- und Schiffbau bis zur Türklinke verklärt ist vom
Glanze echter Kunst.

Vergleicht man es mit gleichzeitigen Kirchenbauten, so wird man sich sei-
ner Eigenart sofort bewußt. Bei einer Fahrt von Biberach nach Wattcnweiler
oder Schuffenried, den Aussteigestellen für Steinhaufen, grüßt es den Reisen-
den schon von weiter Ferne. Wer aber seinen Stil nicht schon kennt, möchte

Steinhaufen, Pfarrkirche. Lanze! mit linke?» Pfeiler.

zur Vermutung kommen, ei» Gebilde gotischen Stils vor sich ;» haben. Mit
seinen hohen Außenmauern, seinem steilen Dach, seinem schlanken, das Schiff
um volle zwei Geschosse überragenden Turm ist es weniger der Ausdruck be-
häbigen Lagerns und SichauSbreitenS (vgl. die Kirche von Sießen, Wiblingen,
Zwiefalten ufw.), als der eines himmelanstürmenden Lnrsum corda! Wohl
treten bei näherer Betrachtung die Bauformen und Stileigentümlichkeiten
des Übergangs vom Barock zum Rokoko deutlich hervor, aber der Eindruck
spielender Bewältigung der Massen und leichtbeschwingten Emporschießens
und Aufwärtöstrebens bleibt. Eine weitere Eigentümlichkeit ist die glückliche
Harmonie zwischen reichbewegtem Leben und erhabener Ruhe. Turm und Chor
schließen die Schmalseiten geradlinig ab und das Mittelstück der Langseiten

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