Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

Seite: 96
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sich im Blick auf seine völlig ergebnislosen Anträge von 1830 und 1833 aus
Aufhebung der Verordnung von 1830 mit ihren Rechtsverletzungen (vgl.
Lobmiller: „Staat und Kirche", S. 61).

In der Sitzung vom 8. Juli 1839 setzte sich der Bischof eingehend mit
dem Kommissionöbericht auseinander; er ging auf die Frage der Baulast ein,
auf den Vorwurf, daß der Bischof 1828 schon einen bezüglichen Antrag hätte
stellen sollen, und nicht erst jetzt; auf die Frage der Kostenüberschreitung über
100 000 Gulden hinaus; auf die Bedürfnis- und die OrtSfrage. Hier ist von
Interesse das lebhafte Bedauern des Bischofs, daß der Sitz der kirch-
lichen Institute von Ellwangen wegverlegt worden fei; er
selbst habe diese Anordnung nicht hervorgerufen, nicht
unterzeichnet u n d keinen Anteil daran.

„Wenn ich zu Rate gezogen worden wäre, so würde ich einer anderen Kirche,
die schon in großem Umfange besteht, gerne zugestimmt haben; allein ich habe
daran festgehalten, daß die Institute entweder in denselben Ort oder in die
Nähe des Bischofssitzes gelegt werden."

Aus der weiteren kurzen Debatte sei nur noch die Bemerkung des Abge-
ordneten v. Nununel festgehalten, daß die Rottenburger Domkirche 65 Fuß
im Lichte groß sei; gerade so viel, alö der Bischof für die neue Kirche verlange,
und was die 500 000 Diözesanen betreffe, so besuchen diese die Kirche nie auf
einmal. Offenbar hatte der neue Dom an Stelle der jetzigen Kirche kommen
sollen.

Prälat v. M e r k l i n machte aufmerksam auf die vielen baufälligen Kir-
chen auf evangelischer Seite; ob der Bischof eine der Seelenzahl der evange-
lischen Konfession entsprechende Summe für die Herstellung und Erweiterung
baufälliger evangelischer Kirchen in Vorschlag bringen würde?

Bischof Keller bejahte sofort und betonte noch speziell gegenüber dem
Berichterstatter und seiner Frage, warum die Domkirche nicht schon 1828 als
ju klein erfunden worden fei, daß damals der Bischof v. Tempe, Fürst
v. Hohenlohe, Generalvikar und nicht einmal in Ellwangen war.

Freiherr v. H o r n st e i n warnte nochmals, für die Kirche etwas zu for-
dern, sonst fordere man auch von ihr. „In Köln baut man den Dom aus und
den Bischof sperrt man ein."

Diese Debatte wurde nicht aufgegriffen, um die Frage deö Dombaues
aufzurollen; aber hinsichtlich der Geschichte der ganzen Frage und der Diözesan-
geschichte selbst bot sie immerhin manchen Punkt, der auch heute noch von
Interesse ist. Zur Dombaufrage kann man heute nur einen Wunsch hegen:
Es möchte dem neuen, von der Stadt Rottenburg ausgeworfenen Dombau-
fonds oder dem Anfang dazu nicht das gleiche Schicksal beschieden sein wie den
von Bischof Keppler zugunsten eines würdigen Domes erarbeiteten Hun-
derttausenden von Goldmark, die der Währungskatastrophe zum Opfer fielen.

Verfasser und Leser darf ich wohl schon hier auf de» in der Landtagsdebatte erwähnten Dombanplan
Hinweise», dessen Beschreibung und Stahlstichrcproduktion in einer sehr seltenen, ohne Orts- und Jahres-
angabe erschienenen Broschüre in meinem Besitz ist. (Anm. d. Red.)
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