Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

Seite: 105
DOI Heft: 10.11588/diglit.15945.25
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15945.26
DOI Seite: 10.11588/diglit.15945#0110
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1927/0110
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
KlrganDes Katlenburger Diöjesan-Kunflvereins

Redigiert i. V. von Prof. llr. A. Nägele, Schwab. Gmünd. Bogclbof 3.

Eigentum des Rottcnburger Diözesan-Kunstvercins e. B. Erscheint viertelläbrlich. Kommtssions-Berlag und Druck der
Schwabenverlag Aktiengesellschaft Stuttgart. Bezugspreis jährlich Mk. 7.5U. Bestellungen nehmen sämtliche Buch-
handlungen sowie auch der Verlag entgegen.

XLII. 4. Heft 1927

Der Darolkbsumeifler Ifraitj Keller

und seine Tätigkeit aus württembergischem öoden

Von OttoHäcker, Landgerichtsrat a. D., Ulm

Die Geringschätzung, welcher der Barockstil im 19. Jahrhundert anheim-
siel, brachte eö mit sich, daß auch die Künftlerpersönlichkeiten jener Epoche
mehr in Vergessenheit versunken waren als solche auS älteren Zeiten. Selbst
führende Meister entdecken wir jetzt wieder mit Erstaunen, so einen der begab-
testen unter ihnen, den Deutschordensbaumeister Franz Keller von Ellingen.
Zwei Umstände beförderten sein Verschwinden auS dem Gedächtnis der Nach-
welt: erstens, daß er schon mit 42 Jahren, mitten im Aufstieg zu seinem Ruhm,
aus dem Leben abberufen wurde, und zweitens, daß er einen Namen führt,
der feine Unterscheidung von mehreren anderen Architekten der Barockzeit
erschwerte'). DehioS Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler rühmt daS
DeutschordenSschloß zu Ellingen als „künstlerisch sehr bedeutend
und durch eigentümliche Züge ausgezeichnet", kennt aber noch in der zweiten
Auflage den Meister nicht und nennt erstmals in der dritten Auflage 1925
Franz Keller als wahrscheinlichen Urheber. Bei einem zweiten Hauptwerk
Kellers, dem Deutschen HauS zu Ulm, weiß Dehio auch in dieser Auf-
lage nur einen G. Strampfer als Baumeister zu nennen, dem auch von der
örtlichen Überlieferung die alleinige Urheberschaft zugeschrieben wurde, ob-
gleich von vornherein zu vermuten war, daß ein Maurermeister der damals in
künstlerischem Stillstand liegenden Reichsstadt zu einer so neuzeitlichen Bau-
schöpfung nicht fähig gewesen wäre, daß vielmehr ein solcher Plan nur von
einem führenden Platz der Barockkunst auögehen konnte, wie eS damals
Ellingen war, der Vorort der fränkischen Ordensprovinz, zu welcher die Kom-
turei Ulm gehörte. Auf die Spur eines Franz Keller bei der Barockumwand-
lung des Schlosses Ellwangen hat erstmals Hans Klaiber 1913 auf
Grund einer Notiz hingewiesen, die er in den Ellwanger Hofkammerproto-
kollen von 1722 fand. DaS Buch von Walter Klein über „Gmünder

l) Keppler (Württ. kirchl. Kunstaliertümer 1888) keimt den Künstler noch nicht, ebenso
Naglers Künstlerlexikon (1835-1852).
loading ...