Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

Seite: 111
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Ellwangen, Gchloßkapelle. Blick gegen die Seireneinpore und de» Chor

seine Tätigkeit ist hier sicher eine viel umfassendere, als Schlegel festzustelleu
wagt"). Freilich harrt das umfangreiche Aktenmaterial über diesen Gegenstand
im LudwigSburger Staaisfilialarchiv noch der Durchforschung. Aber auch die
Anhaltspunkte, die wir schon besitzen, dürfen uns zu der Überzeugung führen,
daß wir in der Barockumwandlung des fürstpröpftlichen Schlosies ob Ell-
wangen eines der Hauptwerke dieses Meisters besitzen, jedenfalls unter den-
jenigen auf württembergifchem Boden das bedeutendste. Schlegel glaubt ihm
nur das Treppenhaus zuschreiben zu sollen, das an den Südflügel des
inneren Schlosies im Hof als Aufgang zum Feftsaal angebaut worden ist und
desien Lichtfülle er rühmt. Aber der Auftrag des Bauherrn ging viel weiter:
es galt, wie uns um 1790 der Hofchronist Hefelin auf Grund der Akten und
frischer Überlieferung im sogenannten ersten Band der „Hillerischen Chronik"
berichtet, das ganze Innere des Renaiffauceschlosies des Fürstpropstes
Johann Christoph I. von Wefterftetten von 1608, desien Erneuerung schon
Heinrich Christoph von Wolframsdorf während seiner kurzen Regierung
(1687 —89) angebahnt hatte, mit einem Aufwand von mehr als 10000 Gul-
den nach neuzeitlichem Geschmack und mit dem ganzen Prunk des damaligen
Zeitstils umzuwandeln, insbesondere in den Südflügel durch Zusammenlegung
zweier Stockwerke einen großen Fest- und Speisesaal einzubauen, die Schloß-
kapelle zu vergrößern und sämtliche 83 Säle und Zimmer mit Stuckdecken zu

*) Vgl. auch Ellwanger Jahrbuch 1917/19 S. 69 f. (SJtettenmaier). 1924/25 S. 18 (Walch er).
Die in letzterem Aufsatz Note 21 ausgesprochene Vermutung, das! Keller auch am Ellwanger
I e s u i t e n k o l l e g i um gebaut habe, läßt sich nicht urkundlich stützen. Die Jesuiten batten eigene
Baumeister. 'Alles konnte ja auch Keller in seinem kurzen Leben nickt machen.

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