Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

Seite: 120
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lichen Kunst (2. Aufl. 1926, Paderborn, Schöningh) bekannte Minorit Pater-
Beda Kleinschmidt. Von geringerem Umfang (147 S. Kleinfolio), aber ähn-
lich glänzender Ausstattung in typographischer Hinsicht (Leinenband mit Gold-
preffung, ein Farbendruck, 33 Tafeln und 30 Textbilder) wie das erftbespro-
chene Monumentalwerk über die Franziskusbasilika in Assisi, befriedigt das
zweite Buch neben den Intereffen des Kunstfreundes vor allem den Ikono-
graphen, den Dogmenhiftoriker, den Liebhaber der mystischen Theologie in
ihren weihevollen künstlerischen Niederschlägen, während beim ersten Werk
neben dem Italienfreund überhaupt besonders der Historiker und Kunsthisto-
riker auf seine Rechnung kommt.

Franziskus als Sänger der Marienminne, als Troubadour im Dienste
der Verherrlichung der Gottesmutter hat iu alten und neuen Schriftwerken
Darstellung gefunden, aber die Kunstwerke sind bis jetzt kaum darnach syste-
matisch untersucht worden, wie in den Kunstwerken der folgenden Jahrhun-
derte Franzens innerer Verkehr mit Christus und neben ihm auch mit Maria
versinnbildet wurde. In diese Lücke tritt daS neue, hochbedeutsame Werk Pater-
Beda Kleinschmidts ein, nachdem einzelne Autoren, wie Beiffel, Rothes,
Thode, Detzel, Venturi, Facchinetti und zuletzt Künstle in seiner neuen
Ikonographie der Heiligen (1926, Freiburg, Herder) einschlägige Bilder
zusammengeftellt hatten. Einen ungeahnten Reichtum au Bildwerken aller kom-
menden Zeiten und aus allen Ländern hat ihre systematische Durchforschung
durch Pater Beda Kleinschmidt erschlosien und aus einer Menge von Gemäl-
den großer Meister uns gezeigt, wie in dem Herzen des OrdenSstifterö neben
der feurigsten Gottesliebe die glühendste Verehrung der Mutter des Erlösers
brannte, und wie sich die Künstler die Verbindung des gottbegnadigten echte-
sten Nachfolgers Christi mit der Gottesmutter vorstellten. Hat ja schon
Thomas von Celano (Leben und Wunder des hl. Franziskus, 1246) tiefer
innigen Marienverehrung seines heiligen OrdenSstifterö Ausdruck verliehen-
„Mit unglaublicher Liebe umfing FranziSkuS die Mutier Jesu, weil sie den
Herrn der Majestät uns zum Bruder gegeben. Ihr zollte er besondere Lob-
gesänge, ihr strömten seine Bitten zu, ihr opferte er Liebesbezeigungen, wie sie
in solcher Fülle und Innigkeit die menschliche Zunge nicht wiederzugeben
vermag."

Aber nicht die Fülle überlieferter Schriftzeugniffe über Franzens Marien-
minne sollte in Kleinschmidts Werk gesammelt werden, wenn auch im geschicht-
lichen Teil oder bei Erklärung einzelner Kunstwerke gelegentlich solche bei-
gezogen werden (so z. B. S. 16 der von Franziskus verfaßte, häufig wieder-
holte „Zarte Gruß an die allerseligfte Jungfrau"); nicht den Spuren der
Schriftsteller, sondern der Künstler wollte der Verfaffer vor allem nachgehen,
die fast noch tiefer als die geschichtlichen und legendenhaften Nachrichten uns
in die marianische Gedankenwelt des Heiligen einführen. Wohl bei keinem
einzigen Heiligen der katholischen Kirche ist die Ausbeute an künstlerischen wie
an den literarischen Zeugnissen so reich wie bei dem umbrischen Liebhaber
Mariä. Die Kirchen, Kapellen und Klöster seiner umbrischen Heimat sind
mehr als alle andern mit Bildern gefüllt, die uns San Francesco in Ver-

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