Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

Seite: 121
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bindung mit Christus, Maria und anderen Heiligen zeigen; aber auch andere
Landschaften des kunstgesegneten Ober- und Mittelitalien stellen ein großes
Aufgebot an Darstellern dieser Seite der franziskanischen Ikonographie: die
Lombardei, Toskana, Venedig, Florenz und Rom. Hinter den Künstlern
Spaniens treten die nordischen Länder an Zahl und Größe zurück. Früh- und
Hochrenaiffance haben die herrlichsten Marienbilder mit Franziskus im holden
Verein geschaffen. Spätrenaiffance und Barock beschränken sich mehr aus
Einzeldarstellungen.

Bei der Auswahl und Anordnung des reichen Bildermaterials konnte ein
doppelter Weg eingeschlagen werden. Entweder mußte der Forscher eine»
Längsschnitt machen und nach Art der Facchinettischen Ieonografia Fran-
cescana (1921) die gefundenen Bildwerke nach Jahrhunderten aneinander
reihen, oder aber galt eö einen -Querschnitt zu geben und bestimmte
Gruppen nach Gegenständen methodisch miteinander zu verbinden und inner-
halb der sachlichen Gruppierungen den chronologischen Längsschnitt beizu-
behalten. Kleinschmidt hat mit Recht letzteren Weg als den weniger ermüden-
den, die Zusammenhänge bester herausstellenden gewählt, wenn so auch manche
Bilder verschiedenen Gruppen ikonographischer Beziehungen beigezählt werden
müffen. Die nach solchen Gesichtspunkten auSgewählten hervorragendsten
Bildwerke werden beschrieben, nach fachmännischem Urteil gewürdigt in for-
maler wie inhaltlicher Beziehung und biographische Notizen über die zum Teil
wenig bekannten Künstler angefügt. Fragen rein kunfthistorischer Art will der
Verfasser in diesem Werk nicht berühren, um den ungestörten Genuß der
Bilder besonders bei denen zu bewirken, die in Franziskus ihren Freund, ihr
Vorbild, ihren geistlichen Vater verehren. „Sie werden hier eines der schön-
sten und anmutigsten Blätter aus seinem wunderbaren Leben aufgeschlagen
finden, illustriert durch eine Bilderfolge, wie man sie in solcher Reichhaltigkeit
und Abwechslung ein zweites Mal wohl vergeblich in der gesamten Hagio-
graphie suchen wird." Diesem rühmenden Selbstzeugnis des Verfassers
(S. XV) dürfen wir vorbehaltlos zustimmen, weniger der nur im katholischen
Deutschland für nötig befundenen Praxis des Autors, an den Bildern hie und
da kleine Retuschen vorzunehmen „mit Rücksicht auf jene große Zahl von
Lesern und Leserinnen, die nicht aus kunstgeschichtlichen Absichten zu diesem
Buche greifen" (S.XV). Um so dankenswerter sind des Verfassers textliche
Aufklärungen über die Entwicklung der Darstellung des unbekleideten Jesus-
kindeS und der stillenden Gottesmutter und die Berechtigung jener Typen.
Ebenso wertvoll ist die in den Anhang verwiesene Bibliographie, deren lite-
rarische Nachweise für nähere, eingehendere Beschäftigung mit den einzelnen
Fragen und Fragenkomplexen manchem willkommen sein werden. Sie seien
wie die stoffliche Anordnung der besonderen Beachtung von Lesern und Mit-
arbeitern des „Archivs für christliche Kunst" empfohlen.

Im ersten, kürzeren geschichtlichen Teil wird daö Leben des heiligen Fran-
ziskus unter dem Gesichtswinkel der Marienliebe dargeftellt, der biographische
Untergrund für die enge künstlerische Verbindung von Maria und FranziSkuS
geboten und zuletzt die theologische Korrektheit der franziskanischen Marien-

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