Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

Seite: 123
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dische Kunst in der Ehrenwache des heiligen Franziskus von Assisi um den
Thron der Madonna stellt, zu erhöhen vermögen.

Als „bescheidenen Beitrag zur christlichen Ikonographie" bezeichnet ein-
mal der gelehrte Verfasser (S. XV) seine vollwertige Arbeit. Möge eö ihm
vergönnt sein, in nicht allzuferner Zeit auch den andern Band seiner geplanten
Ironographia FranciScana über Christus und Franziskus zu vollenden - zur
Ehre seines heiligen Ordensstifters und zum Ruhme deutscher Theologie und
Kunstwissenschaft!

Sjsns Wms sls finaler religiöser Motive.

Vcn Fridolin Götz, Pfarrer in Obercggingcn (Baden).

Anlässlich der Hans-Thoma-AuSstellungen und besonders des Todestages
brachten die badischen Zeitungen — unsere katholischen nicht ausgenommen —
Artikel uneingeschränkter Bewunderung für die Kunst dieses Meisters.

Gewiß sind seine Landschaftsbilder beachtenswert, zeugen feine
Schwarzwaldidyllen von liebevoller Einfühlung und sind die Porträts natur-
wahr, wenn auch hier bisweilen anatomische Verzeichnungen, besonders bei
den Händen, unterlaufen.

Wagt sich aber Thoma an r e l i g i ö s - b i b l i s ch e Stoffe, so kommt unser
katholisches Empfinden nicht auf seine Rechnung.

Da sind zunächst die beiden grossen Altarbilder der B e r n a u e r Kirche,
die Thoma seiner Heimat gewidmet, zu nennen. Diese Schutzmantel-Madonna
ist ein ganz gewöhnliches Modell mit nichtssagenden, gemeinen GesichtSzügen
und plumpen Füßen. Sie hebt mehr den Mantel auseinander, um sich zu
zeigen, als die Gemeinde Bernau unter ihren Schutz zu nehmen. Es findet
überhaupt kein Kontakt zwischen beiden statt. Außer daß sie auf einer Wolke
steht, hat diese Madonna nichts Überirdisches an sich. Der Nimbus allein
tut's nicht, auch wenn er noch so groß ist. Schön am Bilde ist dagegen die
Landschaft, das unten aus der Tannenspitzenumrahmung hervorschauende
Schwarzwalddörfchen Bernau.

Beim anderen Bilde, „Johannes weist auf Christus hin", sind die beiden
Gesichter viel zu alt, nicht wie von dreissig-, sondern von sechzigjährigen Män-
nern. Für die Person Christi hat wieder kein ideales Modell gedient, und
Johannes hat krumme Beine, die zu dem jugendlich vollen Oberkörper und den
runden Armen nicht passen. Anmutig dagegen ist wieder die Landschaft am
Jordan, besonders das zu Füssen des Täufers sich kräuselnde Wasser.

Aus dem Christus der Versuchung leuchtet nicht göttliche Hoheit; steif wie
eine Blechfigur steht er auf dem Felsen in posenhafter Haltung und mit unent-
schiedenem GesichtLauSdruck, als ob er eS sich überlegen wollte.

Auch „Christus am Olberg" spricht unS nicht ganz an. Die Jünger sind
groß und aufdringlich im Vordergrund gelagert; der mittlere, wohl Johannes,
verrenkt dabei seine Glieder ganz merkwürdig. Christus kniet ganz klein auf

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