Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

Seite: 124
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dem Berg im Hintergrund. Da ist doch das Bild SchongauerS, das Thoma
als Vorbild gedient hat, von ganz anderem Gehalt.

Auf dem Bild ,,Der Auferstandene erscheint Magdalena" ist ersterer wie
ein Gespenst dargestellt mit unnatürlich großen Händen und Füßen, und die
vor ihm kniende Magdalena macht in ihrer Verzückung ein etwas blödes Ge-
sicht. Lieblich dagegen ist der Frühlingsgarten im Strahl der ausgehenden
Ostersonne. Überall Auferstehungsftimmung, nur nicht bei dem, von dem sie
ausgehen soll, in seiner mumienhaften Erscheinung.

Und so ist es mehr oder weniger bei den übrigen religiösen Bildern
Thomas (Christi Geburt, Flucht nach Ägypten, Christus und der auf dem
Meere sinkende Petrus, Christus und die Samariterin am Iakobsbrunnen,
Auferstehung Christi usf.).

Bester ist daS Bild „Christus und Nikodemus", und hier besonders Niko-
demus, unter dem Thoma sich selber darftellt. Auch Christus ist hier würdig,
hat aber ein wenig von der Geste eines Hypnotiseurs.

Weitaus das beste Bild ist der tote Christus, umgeben von zwei Engeln,
weil Thoma sich hier den großen Venezianer Giovanni Bellini zum Vorbild
genommen hat.

Unbegreiflich ist mir deshalb, wie der Thoma-Artikel des sonst gut unter-
richtenden Herderschen Konversationslexikons „die tiefinnerliche Kraft nament-
lich seiner religiösen Figurenbilder" hervorheben kann.

Der religiöse Entwicklungsgang Thomas würde uns wohl darüber Auf-
schluß geben, wie er zu seiner Auffassung religiöser Motive, besonders zu
seinem ChristuStypus, und auch zu seiner mit einem Schlage einsetzenden Be-
rühmtheit gekommen ist.

Thoma wäre, wenigstens für uns Katholiken, größer, wenn er religiöse
Stoffe ganz gemieden und sich auf die eingangs erwähnten Bilder, in denen er
uns sein Bestes gegeben, beschränkt hätte.

Die Zeit wird dieses Urteil immer mehr bestätigen. Schon hat eine nüch-
ternere Beurteilung Hans Thomas sich angebahnst).

M Wenn auch zweifellos Thomas religiöse Malerei des Meisters schwächere Seite ist und deren
Überschätzung >vohl mehr auf Hofcliquenwesen und Religiouswechsel als auf rein künstlerische
Motioe zurückzuführen ist. so dürfte doch der Verfasser der unten angezeigten köstlichen Jugend-
erinnerungen das Thema: Thoma als religiöser Künstler mit Obigem nicht erschöpf« haben.

(Anmerkung der Redaktion.)

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