Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

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für frühesten SsugeWchle ües Klosters schussemieki.

Von B. Rncß, Stadtpfarrer a. ®., Altshausen.

II.

2. Die Periode des teilweisen Neubaus des allen Klosters.

An den Namen des berühmten Abtes Matthäus Rohrer (1621 — 53)
knüpft sich eine aus mehrfachen Gründen bemerkenswerte Epoche in der Bau-
Geschichte des alten Schussenrieder Klosters. Dasselbe war, wie wir gesehen
haben, der Hauptsache nach schon anno 1229 und in den folgenden Jahren
von dem Propste Konrad II., seinem eigentlichen Erbauer, erstellt worden.
Die Mehrzahl der klösterlichen Baulichkeiten hatte somit beim Regierungs-
antritt des Prälaten Rohrer bereits ein Alter von beiläufig vierhundert Jahren
erreicht. Wenn nun für deren Instandhaltung in der Zwischenzeit vielleicht
nur wenig geschehen war, dann brauchen wir unS nicht darüber zu wundern, daß
Abt M. Rohrer bei seinem Amtsantritt den größten Teil der zum Reichsstift
gehörigen Gebäulichkeiten als „vergangen" vorfand (Chronik, 3. Teil, S. 42).
Außer dem etwas ruinösen Zustand der meisten Teile deö alten Klosters und
seiner Dependenzen spornte aber noch ein ganz anderer Grund diesen Prälaten
zu angestrengtester Bautätigkeit an. Kaum hatte nämlich Abt Matthäus ein
paar Jahre lang das geistliche Regiment über das Stift inne, als eine äußerst
gefährliche Erkrankung unter den Mönchen ausbrach. Im Jahre 1624 kam
die Krankheit zum Ausbruch und raffte viele Chorherren weg. Der Bestand
des Konvents wurde so sehr reduziert, daß den 19. Januar sogar der Gesang
im Chor sistiert werden mußte. Im folgenden Jahre aber wuchs der Übelstand
in geradezu schrecklicher Weise, so daß außer dem Prior auf eine Zeitlang
sämtliche Ordensmänner das Kloster verließen und kein Gottesdienst mehr
gehalten werden konnte. Man konsultierte die berühmtesten Ärzte der da-
maligen Zeit, man suchte mit allem Eifer nach der Quelle deS furchtbaren
Übels, man verstand sich sogar dazu, den Leichnam des dem ominösen Leiden
erlegenen PaterS Ludwig Grueber durch zwei erfahrene Ärzte sezieren zu lasten.
Aber dennoch wurde kein Licht über den Charakter der Seuche verbreitet. End-
lich vermutete man, die Ursache des Übels werde in gesundheitsschädlicher Be-
schaffenheit der Klostergebäulichkeiten liegen, daher lautete die Parole: Neu-
bau ist nötig, mag er kosten, was er will. So war Abt Rohrer, der geistliche
Vater des Hauses, veranlaßt, für das Wohl seiner teuren geistlichen Söhne,
wenn nötig, den letzten Kreuzer zum Neubau auszugeben. Nachdem er schon
vom Jahre 1622 an den Kirchturm sozusagen neuerbaut hatte, machte er sich
jetzt notgedrungen an den Neubau des Klosters. Das Konventsgebäude (die
Gelaste für die Mönche) wurde niedergelegt; zwei Dormitorien (Schlafsäle)
wurden gleichfalls völlig abgebrochen. Man wich sogar mit den neuen Funda-
menten von den alten Grundmauern ab, wenigstens soweit es der Raum ge-
stattete. Nachdem man so den bisherigen Mönchsbau völlig abgetragen hatte,
begann Rohrer mit dem Neubau. Er ließ das Konventsgebäude auf die Höhe
von drei Stockwerken von Grund aus neu aufführen, man fing hart an der

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