Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

Seite: 132
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kateur Berti mußte den GipS auf eigene Kosten anschaffen; waS aber sonst noch
nötig war, wurde vom Kloster bestritten (S. 479).

Inzwischen hatte man bereits mit durchgreifenden Reparaturen des noch
gar nicht lange neuerstellten Klosters anheben müssen. Die Reibenfolge, welche
jetzt bei der AuSbesierung der Klostergebäulichkeiten eingehalten wurde, war
gerade die umgekehrte von jener, welche beim Wiederaufbau stattgehabt hatte.
Am 27. September 1706 begann man nämlich mit dem Abbruch des bis-
herigen Dachstuhls auf dem östlichen Konventsgebäude und an,
30. September mit dem Ausrichten des neuen. Z 6 Zimmerleute und 60 Bauern,
welche zu dieser Arbeit beigezogen wurden, hatten damit acht Tage lang zu tun
(S. 476). Da im Jahre zuvor bloß die eine Hälfte des Konventsbaus einen
neuen Dachstuhl erhalten hatte, so wurde im Jahre 1707 auch noch die andere
bis über die Küche hinüber sich erstreckende Hälfte mit neuem Dachwerk ver-
sehen, welches am 13. August aufgerichtet wurde. Weil beidemal alles ohne
den geringsten Unfall vonstatten gegangen ist, so feuerten die Zimmerleute in
ihrer Herzensfreude fünf Böllerfchüffe los, nachdem der redegewandteste unter
ihnen auf dem obersten Teil des Gebälkes einen „schönen Spruch gethan"
hatte. Zum guten Schluß schoß nach des Chronisten Worten Abt Tiberius
den sechsten Böller ab, indem er den Zimmerleuten einen Eimer Wein nebst
Brot und einer KäSscheibe zum besten gab (S. 482). — Im Frühjahr 1709
machten sich die Maurer und Zimmerleute an die Reparierung des Hof-
geb äudeö (Westflügel des alten Klosters). Bei näherer Untersuchung fand
man die Mauern bis auf die Gewölbe ganz mangelhaft und noch vom Schwe-
denkriege her bedenklich stark ausgebrannt. Wenn die zeitweilig in diesem Teil
des Klosters sich aufhaltenden Gäste den geradezu miserablen Zustand der
Gebäulichkeit gekannt hätten, würde sicherlich kein einziger von ihnen gewagt
haben, auch nur eine Nacht hindurch zwischen so zweifelhaften Mauern zu
schlafen (S. 495). Den unteren Gang vor der Kellerei bis zu der Abteistiege
ließ Prälat Tiber durch einen Steinmetzen belegen. Der Unternehmer bezog
die Steine aus der Bregenzer Gegend und mußte dieselben über den Bodensee
nach Buchhorn schaffen lasten. Die Fuhrkosten von Buchhorn bis Schusteu-
ried bestritt die Klosterkaste. Für den -Quadratfuß bezahlte man 4^ Kreuzer
und gab dem Meister selbst, nicht aber besten Gehilfen, während der Boden-
besetzung die Kost im Hause. Im allgemeinen hat sowohl Abt Tiber wie auch
später Siard Frick sich auf die Kostgängerei im Kloster nicht eingelasten; denn
als hervorragende Haushälter hatten sie gute Gründe zu solchem Verfahren
(S. 496).

Im Jahre 1714 drohte dem Kloster eine große Gefahr. Neben der im
sog. Hofgebäude befindlichen Kellerei war eine kleine Ofenküche. In letzterer
hatte am 7. Februar dieses Jahres ein Durchzugbalken Feuer gefangen
und war in Brand geraten. Die Flamme hatte bereits so sehr um sich ge-
griffen, daß man bei Entdeckung des Schadens beinahe nicht mehr zu löschen
wußte. Dennoch lief alles ohne größeren Schaden ab, so daß man mit dem
bloßen Schrecken davonkam (S. 5 29). Später wurde in baulicher Hinsicht
dem alten Kloster nicht mehr wie zuvor Sorgfalt zugewendet. Es zog all-

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