Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

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illerafur.

Burger, Dr. Wilhelm, Weihbischof von
F.eiburg, Das Erzbistum Freiburg iu
Vergangenheit und Gegenwart. Ein
kirchliches Hcimatbuch. In Verbin-
dung mit Priestern der Erzdiözese her-
ausgegeben. Mit einem Titelbild und
80 Abbildungen im Text. Ser. 8° (XII
und 248 S.). Frei bürg im Breisgau
1927, Herder. Kart- 4.52 M., geb. in
Seinwand 6 M.

Unsere Nachbardiözcse, das Erzbistum
Freiburg, das über ein Jahrtausend mit dem
größeren Teil unseres Sandes zum gleichen
Bistum Konstanz gehört hatte, feiert in die-
sem Jahr das Jubiläum ihres hundertjäh-
rigen Bestehens. Unter der zahlreichen kir-
chengeschichtlichen Iubiläumsliteratur, die,
teils volkstümlicher, teils gelehrter Natur,
ein rühmliches Zeugnis für das feste Zu-
sammengehörigkeitsgefühl der Diözesanen
wie für die literarische Rührigkeit kirchlicher
Kreise ablegt - nach des Stuttgarter „Ka-
tholischen Sonntagsblattö" (Nr. 27) Aus-
drucksweise ein Grund zum Neidischwerden
für die katholischen Schwaben, oder noch |
bester zum Sernen aus diesem Vorgang —,
nimmt das vom Weihbischof und anderen
Priestern der Freiburger Erzdiözese hcraus-
gegebenc Iubiläumswerk ohne Zweifel den
ersten Platz ein. Sehen wir von den Kultur-
kampfstürmen ab, die über die viel älteren
Bistümer Preußens hereinbrachen, so hat
keines der deutschen Bistümer in den letzten
hundert Jahren so viel innere und äußere
Kämpfe durchzumachcn gehabt wie das
junge, aus den Trümmern des alten Römi-
schen Kaiserreichs Deutscher Nation neuge-
schaffene Erzbistum Freiburg. Weffen-
bergischer Rationalismus und Aufklärer-
geist, Staatskirchentum und Kulturkampf-
lust forderten heftigste Kämpfe und harte
Opfer von Klerus und Saien. Aus dem
Samen dieses fast hundertjährigen Mar-
tyriums ist als köstliche Frucht kirchlicher
Sinn und religiöses Seben erwachsen, ein
reiches Saatfeld herangcrcift auf dem viel-
fach hartgetretenen Boden des größeren
Teils des einstigen Großherzogtums Baden.
In dem mit 82 Abbildungen auSgcstatteten
IubiläumSbuch zieht das ganze religiöse,
kulturelle, wissenschaftliche, praktisch-kirch-

liche, caritalive, soziale Seben der großen
Nachbardiözese an unserem geistigen Auge
vorüber, all die wechselnden Perioden von
Kampf und Sieg, in denen wir Männer
aus unserem engeren schwäbischen Heimat-
land, wie Erzbischof Hermann von Vicari
(gebürtig von Aulendorf) oder Johann
Baptist von Hirscher, Profeffor und Dom-
dekan, nicht zuletzt UniversitätSproseffor
l)r. Paul Wilhelm Koppler, unseren letzten
hochseligen Bischof, auftreten sehen, kämp-
fen, wirkend, duldend, harrend, triumphie-
rend.

Neben den Hauptabschnitten über die ge-
schichtliche Entwicklung und das religics-
kirchliche, caritalive Seben der Erzdiözese in-
teressiert uns hier besonders das zweite, den
kirchlichen Kunstdenkmälern gewid-
mete Kapitel, S. 68— 112, verfaßt von Dr
Hermann Sauer, Hauptschriftleiter in Donau-
eschingen. Die Schöpfungen der karolingisch-
ottonischen, romanischen und gotischen Kunst,
die Zeitalter der Renaissance, des Barock
und des Klassizismus, des Wiederauflebens
der romanisch-gotischen Baukunst von 1827
bis 1910 werden meist treffend und sach-
kundig gewürdigt. In jähem Sprung gleitet
der kunsthiftorische, bildlich gut bediente
Überblick von der Periode der Stilimitation
zur Gegenwartskunst ab, die leider nur in
einem einzigen Sah wenig besagenden In-
halts abgehandelr wird. Bei dem großen,
unsere Diözese weit überstrahlenden Reich-
tum an Kunstdenkmälern aller Art wirkt die
Aufzählung für ein Volksbuch manchmal
leider zu inventarmäßig. Das „Wunder-
werk" des Freiburger Münsters kommt da-
bei allzu kurz weg. Ein besonderes Augen-
merk hat der Berichterstatter auf die ihrer
Geburt und teilweise auch Hauptwirksam-
keit nach unserem Sand entstammenden
Künstler gerichtet. Ich fand mit oder ohne
Heimatbezeichnung erwähnt: Hans Bal-
dung-Grien (S- 85, nicht aus Straßburg
gebürtig, sondern wohl sicher aus Schwä-
bisch-Gmünd, nach dem Gamundianus der
Münsterhochaltarinschrift, nach dem Chro-
nisten Sebald Bühler aus Weyersheim bei
Straßburg), Christoph von Urach, Jörg
Zürn, Bartholomäus Zeitblom, Sukas Mo-
ser, Spiegler, Seele, Mezger. Schade, daß

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