Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 42.1927

Seite: 140
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Hasak, M., Einzelheiten des Kirchenbaues,
Handbuch der Architektur 2. Teil, IV
2. A. 1927, Le. 8°, 388 S. Leip-
zig- I- M. Gerhardt, drosch. 24 Mk.

Eine» verhältnismäßig kleinen Aus-
schnitt aus dem von Ed. Schmitt in Darm-
stadt begründeten Monumentalwerk: Hand-
buch der Architektur (4 Abteilungen in 28
Bänden) bildet das zu der zweiten Abtei-
lung der Baustile und zwar der romanischen
und gotischen Baukunst (Band IV) gehö-
rige vierte Heft: Einzelheiten des (romani-
schen und gotischen) Kirchenbaus. Der Ber-
liner Baurat Dr. Max Hasak, ein in der
Erforschung wie in der Wiederherstellung
des Magdeburger und Kölner Doms er-
probter Techniker, hat in dieser Serie den
Kirchenbau des Mittelalters und dessen
Einzelheiten bearbeitet und nunmehr in
zweiter Auflage herausgegeben. In der von
feinen früheren, teilweise polemischen
Schriften her gewohnten temperamentvollen
Art, die den prächtigen Stoff vor wissen-
schaftlicher Blutleere oder Dürre zu be-
wah.en versteht, behandelt Hasak in techni-
scher wie geschichtlicher Darstellung die Ein-
zelheiten des mittelalterlichen Kirchenbaus:
Wände, Säulen, Gewölbe, Giebel, Back-
steinbau, Türen und Fenster, Glasmalerei,
Wandmalerei, Fußböden, Verzierungskunst,
Bildhauerkunst, Grabmälcr, Kirchenmobi-
liar (Altäre, Kanzeln, Chorgestühl, Leuch-
ter) und zuletzt die Schrift in Dokumen-
ten und an Denkmälern. Überall leitet den
fast enzyklopädisch bisweilen verfahrenden
Meister die Auffassung, daß die Einzelhei-
ten der Bauten deren Hauptreiz bilden.
Vor allem die gotischen Baumeister be-
lauscht er bei der Entwicklung der fast un-
erschöpflichen Fülle von Zieraten, bei der
Ausbildung und Umbildung des schöpferi-
schen Verzierungsbedürfnisses. Daß in der
Deutung einzelner Bauteile und ihrer Or-
namente mancher Fachmann anderer Ansicht
sein und aus seinem Spezialgebiet weitere,
teilweise beachtenswertere Vertreter typi-
scher Darstellungen anführen kann, beein-
trächtigt den Wert des Gebotenen keines-
wegs. Die Forderung, daß bei Herstellung
von Bildhauerwerken nur die Natur und
der Künstler befragt, wie der Handwerker,
auch der Geistliche ausgeschlossen sein soll
(S. 268), mag auf berechtigter Einzeler-

fahrung beruhen, verallgemeinert wird sie
zu Unzuträglichkeiten führen. Verfasser und
Verleger verdienen für das Werk und seine
Ausstattung den aufrichtigsten Dank aller
drei letztgenannten Gruppen.

Literarische Gegengaben aus neuem
Tauschverkehr — Großes gegen
Kleines, doch als Zeichen weiterer Wert-
schätzung registriert - sind d. Red. zuge-
gangen : Kunftgabe des Vereins
f. ch r. KunftimErzbistumKöl n
1927. Herausgegeben von dem Bonner
Universitätsprofeffor Dr. Wilhelm Neuß,
verlegt von Dr. B. Filser-AugSburg-Köln.
Karl Joseph Kardinal Schulte, Erzbischof
von Köln, hat dieser ersten Kunstgabe ein
Geleitswort voranzuschicken geruht: „Die
Herren Pfarrer können als Vertreter ihrer
Gemeinden den Beitrag auf die Kirchenkasse
übernehmen." Der Vorstand des neuge-
bildeten Kölner Diözcsankunstvercins, W.
Neuß, verfaßte die Hauptabhandlung: „Alt-
christliche Überlieferung und deutsche Eigen-
art in den Kreuzigungsdarftellungen rheini-
scher Handschriften des früheren Mittelal-
ters" mit 10 Abbildungen - ein teilweiser,
doch wertvoller Ersatz der cingegangencn
Zei.schrift für christliche Kunst.

Bei dem engen kirchen- und kunstge-
schichtlichen Zusammenhang der einstige»
vorderöfterreichischen oder bistumkonftanzi-
schen Gebiete der neuen Landesteile und
Diözesen glaubte ich auch einen Austausch
unseres Organs mit dem Freiburger Schau-
inöland, der stattlichen, prächtig ausgcstat-
teten Zeitschrift des Breiögauer Vereins
„S ch a u i » s l a n d", anregen zu sollen.
AuS den beiden letzten Iahresheften 1923
und 1926 (6 Mark für Mitglieder, 8.50
Mark im Buchhandel) hebe ich besonders
den für die Ikonographie der Engel bedeut-
samen Beitrag Prof. Dr. SauerS über das
Portalrelief der Urbanskapelle in Obcr-
schaffhaufcn, die Notiz Dr. F. Zieglers über
die Grabplatte eines später» Baldungnach-
kommen in Eschbach und die Baugeschichte
des Freiburger Kaufhauses von Stadtarchi-
var Dr. F. Hefele mit 31 Abbildungen her-
vor.

Aus den letzten Monatsheften der unter
der neuen Redaktion immer aktueller und
prachtvoller auSgeftattetcn M ü n ch e n e r

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