Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

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gute Verspannung von Mittel- und Seitenschiffen nicht dieselbe Wirkung
täten?, und so ein Gedanke wie eüQrjxa, ich Hab'S gefunden, durchfuhr
mich." AlS es nun galt, dieses sein GeisteSkind aus der Taufe zu heben, da er-
bat er sich keinen Geringeren zum Paten, als den Konvertiten Friedrich
Schmidt, den Frickenhofer Pfarrerssohn, der eö bis zum Wiener Dombau-
meister gebracht hatte. Schon nach drei Wochen hatte er einen entsprechenden
Plan in der Hand. Die fertige Kirche samt Glocken und Orgel kam auf
18 200 fl., rund 42 000 Mark. Damit war die alte Basilika repristiniert.

Schon im nächsten Jahr verfuhr Schwarz anders: beim Göppinger Kir-
chenbau. Die Dimensionen waren größer (Schifflänge bezw. Breite in Geis-
lingen 60 und 40 Fuß, in Göppingen 83 und 43 Fuß). Grundsatz war auch
hier, „mit geringen Mitteln verhältnismäßig viel und möglichst Schönes zu
leisten". Er baute eine Hallenkirche, daher „von außen nicht die Abwechslung
und mannigfache Gliederung", wie in Geislingen, das Innere aber impo-
santer, höher, räumlicher", die Anlage gleichfalls dreifchiffig. Die Kosten
ohne Orgel, Glocken und Altäre betrugen 28000 Gulden, also 48 000 Mark.
Das Material war gelber Liassandstein aus der Gegend von Donzdorf, nicht
Suaderbau, sondern in Stücken von 8 Zoll bis eineinhalb Schuh, auS-
gefugt; sonst wären die Kosten noch so hoch gekommen. Gewölbt wurde nur
der Chor. Der Mittelschiffplafond steigt in stumpfem Winkel an. Auf ein
Scheingewölbe wurde hier also verzichtet, weil eS immer die Frage wachrufe:
„Wie bist du hiehergekommen?" Auf ein massives Gewölbe sind die Sarg-
mauern nicht berechnet.

So stehen am Eingang der D i a s p o r a b a u p e r i o d e Basilika und
Hallenkirche nebeneinander, und hinter ihnen als intellektueller Urheber ein
Baukünftler von Gottesgnaden mit einem Praktiker im Prieftergewande, und
als moralischer Urheber die Opferwilligkeit der Diözesanen. Mit der durch die
wirtschaftliche Lage der letzteren gezogenen Grenze war der Kunst die Selbst-
beschränkung als unerläßliche Pflicht auferlegt. Selbstbeschränkung ist auch
die Signatur der Bauten auf altem, katholischem Boden — und doch war es
ein frohgemutes Bauen und Schaffen. Sonst wären in der verhältnismäßig
kurzen Zeit nicht über 150 Neubauten und Erweiterungen möglich gewesen,
der Reftaurationöarbeiten gar nicht zu gedenken. Anfangs wendet man sich da
und dort noch an den Oberamtsbaumeister, und so mochte es wiederholt
Vorkommen, daß ein protestantischer Architekt eine katholische Kirche baute,
und wem eö befremdlich erscheinen will, der mag sich damit getrösten, daß noch
in diesem Jahrhundert und unter der Ägide des „protestantischen Kaiser-
tums" ein Katholik den Berliner Dom baute. Aber nach und nach konzen-
trierte sich doch die Kirchenbautätigkeit in wenigen Händen. Früher sind es
E g l e und M o r l o ck, die Mitgründer des DiözesankunftvereinS, die beiden
Hetzinger, von den Achtzigerfahren an CadeS, Pohlhammer, auch
Raisch und ganz neuerdings neben ihnen Schlösser, Laur, Hummel,
H e r k o m m e r, Linder und E g e r und sozusagen als Gast Meckel. Prak-
tische Erwägungen hatten die Wabl zugunsten des frühgotischen Stils ent-
schieden und er beherrscht fast die ganze Periode, bald in reicheren Formen mit

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