Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

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mittelalterlicher Stilrichtung den Drang nach Licht und Weiträumigkeit deut-
lich genug, indem sie die Pfeiler dicht an die Außenmauern Heranrücken, also
das Mittelschiff erbreitern. Dabei gewährt die Eigenart des Eifenbetonbauö
den weiteren Vorteil größerer Bewegungsfreiheit für die Schwingung der
Bogen und Sprengung der Gewölbe, also auch die größtmögliche lokale An-
passungsfähigkeit.

Ein Bedenken könnte sich allerdings einstellen: wird die Innenkunst sich
der neuen. Richtung ohne weiteres anpassen, werden unsere Bildhauer, die
sich teilweise so verständnisvoll in den romanischen lind gotischen Stil einzu-
fühlen verstanden, so rasch umlernen? Werden wir's nicht erleben, daß man
in die Barockkirchen gotische Altäre setzt, wie es leider früher auch geschah?
Die Tatsachen reden deutlich. Die Innenkunst hat den genannten Neubauten
ohne Schwierigkeiten den entsprechenden Schmuck zu geben vermocht. Eine
Reihe von Bildhauern Kat ohnehin schon in beiden Stilen nebeneinander ge-
arbeitet. In mehreren Fällen konnte man auch wieder hervorholen und mit
geringen Mitteln auffrischen, was man früher einmal verächtlich beiseite ge-
schoben. Für die Einheitlichkeit ist also nichts zu fürchten.

Zu fürchten ist etwas ganz anderes. Werden wir überhaupt in absehbarer
Zeit noch bauen können? Vermögen wir die Kosten dafür aufzubringen? Und
werden wir viel bauen müssen? Wird die Industrie sich im bisherigen Tempo
weiterentwickeln und nach wie vor die Massen in die Städte ziehen? Auf die
zweite Frage muß die Zeit die Antwort geben. Bejaht sie diese, so bejaht sie
auch die erste. Und die trotz der Nachkriegsnot erbauten Kirchen in Stuttgart,
Gaisburg, Ulm, Baienfurt, Mühlacker, Ulm, Oberndorf, Degerloch u. a.
künden ein deutliches Ja!

Eines aber ist sicher: derselbe Gott, der uns bisher, und zuletzt sehr straff
und streng geführt hat, führt uns auch ferner, lenkt unsere und der Welt Ge-
schicke und steckt den irdischen Faktoren ihren Machtbereich ab. Er hat uns
gebeugt, er kann uns auch wieder aufrichten, und tut der Mensch, was an ihm
ist, so läßt eS Gott nicht an sich fehlen. Daß unser Diözesankunftverein in der
besprochenen Zeit ein schweres Stück redlicher Arbeit geleistet hat, auch un-
eigennütziger Arbeit, ;i, Gottes Ehre und sehr oft auch mit Gottes Lohn, das
künden die Urkunden und die Steine.

AmtsgerWMrektor August Aeurha )um lSestschtnis.

Von Professor l)r. A n ton Nägel e, zur Zeit in Kairo.

Unter den mannigfachen Trauerbotschaften, die aus der fernen schwä-
bischen Heimat um die Jahreswende über das Meer kamen — leider immer
arg verspätet auf der weiten Fahrt —, hat keine mich während meines Winter-
aufenthalts in Ägypten schmerzlicher berührt und trauriger gestimmt, als die
Kunde von dem allzufrühen Hingang des Herrn Amtsgerichtsdirektors August
B r e u ch a in G ö p p i n g e n (ch 30. Dezember 1927). Viele Hoffnungen, die
mit dem ganzen Diözesankunftverein in besonderem Maße noch der Heraus-
geber des in der schwersten Krise übernommenen Vereinsorganö, des „Archivs
für christliche Kunst", auf diesen hervorragendsten, meistinteressierten Laien-

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