Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

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Vertreter im Vereinsausschuß setzen durfte, dal der ain Neujahrstag 1928 im
Göppinger Friedhof aufgeschüttete Grabhügel für immer vernichtet. Er deckt
eine Zierde des württembergischen Richterftandcs, ein Vorbild echten prak-
tischen Christentums, einen treuen Sohn seiner Kirche wie seines engeren und
weiteren Vaterlandes, einen geistvollen Schriftsteller und feinsinnigen Kunst-
kenner. Glücklich der Sohn, der an der Hand eines solchen Vaters, im Schoße
einer die edelsten Überlieferungen des deutschen christlichen Hauses pflegenden
Familie ins innerste Heiligtum der Kirche und deren einzigartige Schatz-
kammer an natürlichen wie übernatürlichen Kulturgütern eintreten durfte!
Es stände wahrlich heute bester um das Verhältnis von Klerus und Kunst,
dessen gegenwärtigen Stand in unserem Land Breucha in einer denkwürdigen
Stuttgarter Ausschußsitzung tm Frühjahr 1927 in Gegenwart eines zu-
stimmenden oder nicht widersprechenden Ordinariatsmitglieds mit gleich großer
Offenheit und Sachkenntnis beklagte, hätten viel mehr Standesgenosten das
Glück, im Elternhaus wie hernach in wechselnder Schul- und Lebenslaufbahn
das Verständnis für das uralte Erbe kirchlicher Kunst eingeimpft zu bekommen!

Nach dem Hingang des Ulmer Garnisonspfarrers Franz Taver Effin-
ger, der ein gut Stück des altreichsstädtischen Kunstlebens an der Donau
wie der Kunstpflege im Bistum Rottenburg verkörperte, und als geistesver-
wandter Vikar des Cannstatter Stadtpfarrers und nachmaligen Bischofs
Paul Wilhelm von Keppler hier wohl auch ein bescheiden Gedenkblan von
einer — wenigstens freundnachbarlichen — Seite verdient hätte, bedeutet
der unerwartete Verlust des zweiten Ausschußmitglieds in kurzer, allzu
kurzer Zeitspanne eine fast unersetzliche Lücke in dem leider immer noch nicht
zum Abschluß gebrachten Neuaufbau unserer Vereinsleitung und Vereins-
organisation. Hier sei vor allem der in gedruckten Nachrufen nicht erwähnten
Schrift über die Kollegiumskirche in Ehingen rühmlich ge-
dacht, die der kunst- und heimatliebende Amtsrichter Breucha zugunsten der
Wiederherstellung des herrlichen Barocktempels verfaßte und dem ehemaligen
Ehinger Gymnasialreferendar zur willkommenen Besprechung in der „Ried-
linger Zeitung" durch den reftaurationSeifrigen Rektor von Kirche und
Schule zugehen ließ. Unvergeßlich wie der erste, leider — Gott sei's geklagt -
auch der letzte sein sollende Besuch des frohes Wiedersehen hoffenden Direk-
tors im Gmünder „Haus am Berg" vor Antritt meiner Ägyptenreise sollte
auch der erste Eindruck bleiben, den der Rottweiler Student vor vierzig Jahren
von dem eben ausstudierten Juristen Breucha, dem steten Begleiter seines ebenso
robusten, reitftiefeltragenden Landsmanns vr. meä. Marx, einem Dioskuren-
paar an Iugendkraft, erhielt, und den die Nachricht von der gemeinsamen
großmütterlichen Verwandtschaft zu der Degginger Familie der „A l t" ver-
stärkte, zunächst noch ohne persönliches Sichkennenlernen.

Zu einer Zeit, wo über kirchlicher Barock- und Rokokokunst die
dunkle Wolke der Geringschätzung, ja des Verdikts der Unkirchlichkeit lastete,
begann der für alles Schöne in Natur und Menschenwerk begeisterte Jurist
in seiner Schwarzwaldheimat und besonders in seiner langjährigen Wirksam-
keit am Ehinger Oberamtsgericht (1910—1926) manche herrenlose oder
unverstandenen Altertümer zu sammeln und vor weiterer Verschleuderung zu

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