Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

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Ehrenpokal des Staatspräsidenten Bazille für den Süddeutschlandflug 1926
(württembergischeS Wappen und Flugzeug in farbigem Email mit plastischer
Umrahmung, blau emaillierte Sterne und Goldkörnergranulation aus der
Kuppel, ein Halbedelstein als Abschluß auf fein stilisierter Auösägearbeit mir
Draht- und Körnerbelötung); Ehrengabe der Städte Gmünd, Heilbronn,
Ravensburg, Reutlingen und Ulm zur Einweihung des neuen Rathauses in
Eßlingen aus demselben Jahr, nach dem preisgekrönten Entwurf bei einer
Konkurrenz, bei der erste Edelmetallfirmen und Werkstätten zur Beteiligung
aufgefordert worden waren, ein Pokal mit klaren, harmonischen Formen,
feinem Dekor, darunter insbesondere die Wappen der sechs genannten Städte
in einer ähnlichen Ausführung und Umrahmung wie bei dem Süddeutschland'
flug-Becher. Das Erfreuliche bei diesem zeitlichen und gegenständlichen Neben-
einander, der Identität des Zwecks lind der Grundzüge des Ausbaus lind
Ornamentes ist, daß jeder der genannten Pokale, alich wenn man sie im Ori-
ginal oder einer Reproduktion nebeneinanderstellt, sich als etwas Individuelles
erweist und seinen künstlerischen Eigenwert hat. Es gilt von ihnen nicht, was
man von der einen oder anderen Kunstwerkstätte sagen kann: Hat man eines
ihrer Erzeugniffe gesehen, so hat mair alle demselben Zweck dienenden gesehen,
sie wiederholen sich und schreibelt von ihren früheren Entwürfen immer wie-
der ab. Eine Neubearbeitung der Geigersage nach I. Kerners Gedicht ist das
prächtige Zierstück mit der Hauptfigur auf Lapislazuli-Sockel.

Dem spezifisch kirchlichen Gebiete gehören aus den jüngsten
Erzeugnissen der Werkstätte Möhlers an: ein Kelch, eine Hostienbüchse, ei»
Rauchfaß, eine Ewiglichtlampe, Altarleuchter inld Versehpatenen. Gegenüber
neueren Versuchen, den NoduS mehr oder weniger auszuschalten und den Fuß
sich bis zur Cuppa konisch verjüngen zu lassen, greift Möhlers Kelch zurück
auf die scharfe Scheidung zwischen Fuß, Schaft, Knauf und Cuppa von ehe-
dem. Und doch hat mau sofort den Eindruck des Neuen, Überraschenden. Die
Basis ist breit und solid, schließt also die Gefahr des Umkippens aus. Doch
bewahrt sie reiche Gliederung vor Schwerfälligkeit und Unbeholfenheit. Von
leicht bewegter Grundlinie leitet solide Aussägearbeit über zu der Kurve, die
als Brückenbogen zum Schafte auffteigt. Die Kurve selbst aber zerfällt wieder
in eine Reihe gebuckelter Flächen mit zartbetonter Naht. Den Anschluß an
den Schaft betonen sorgfältig gearbeitete Blüten mit Halbedelsteinen (Lapis-
lazulikugeln). Der Schaft ist durch feine Linien- und Körnerauflötungen ge-
gliedert. Ebenso hat der weißemaillierte Knauf leichtes Linienornament. Das
Ornament der Cuppa harmoniert mit dem der unteren Teile, aber ist nicht
identisch mit demselben. Etwas bisher Ungewohntes ist die gediegene Behäm-
merung des Metalls, die wesentlich zu seiner Belebung beiträgt, ohne unruhig
zu wirken. Angesichts des verwendeten Materials und der zu seiner künst-
lerischen Bearbeitung nötigen Zeit ist der Preis ein bescheidener. Es hat sich
denn auch sofort ein Käufer gefunden — Rottenmünster bei Rottweil, (m.4)

Für die Stadtpfarrkirche in Freudenftadt lieferte Möhler eine Ewiglicht-
lampe, als Wandleuchter gedacht, mit drei Ketten an dem Arme befestigt. Die
Lampe selber ist in Felder geteilt. Blauemaillierte Sterne, vergoldet, erhöht

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