Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

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schieht. Alles macht den Eindruck des Gewachsenen, Schönen und Sakralen.
Dasselbe gilt nun auch von den Altarleuchtern. Für den einfachen, bewußt
schlicht gehaltenen Kirchenraum konnten nur einfache, bewußt schlicht gehal-
tene Leuchterformen in Betracht kommen, wie sie schon einmal in der Gotik zu
sehen waren. Erst seit der Renaissance kommen reichere Formen auf, die im
Barock zu allerlei Wundergestellen auswuchern. Herkommer findet die ent-
sprechenden Formen, die in ihrer einfachen Gediegenheit bezaubern. In drei
Größen und zwei Arten wurden die Leuchter hergestellt (Höhe der großen
44,5, der mittleren 2O, der kleinen 17,5 Zentimeter). Die zwanzig Leuchter
sind in poliertem Messing gehalten. Es war die Frage, ob die Leuchter in
poliertem oder in mattem Ton gehalten werden sollten. Man entschied sich für
votiert, da der Leuchterschmuck sich so von dem dunkelvioletten Hintergrund des
Hochaltares am besten abhebt. Für Nahsicht hätte wohl matt besser gewirkt.
Die eine Art der großen und mittleren Leuchter trägt rechtwinkelförmige Ver-
zierungen in Treibarbeit, ein schon in dem Kommuniongitter anklingender
Vorwurf. Eigenartig, aber durchaus feierlich, wirkt der zweimal gegliederte,
breite Schaft auf seinem halbkugelförmigen Fuß. Die -weite Leuchterart sind
niedrige Kugelleuchter ohne jede Verzierung, seltsame Brüder ihrer größeren
Geschwister, ihre Verwandtschaft mit diesen nicht verleugnend, aber doch
eigenwillig genug, um besondere Aufmerksamkeit zu beanspruchen, die zur
Freude wird. — Der Grundsatz der Zweckmäßigkeit ist gewahrt bei beiden
Leuchterarten. Für besonders praktisch halten wir den breiten, halbkugelför-
migen Fuß der Schaftleuchter, der denselben das Merkmal der „Bodenstän-
digkeit" und Standfestigkeit verleiht. Ebenso zweckvoll ist der breite, leichte,
schalenförmige Tropfteller bei allen Leuchtern, da er eine Verunreinigung des
Altares ausschließt. Alle Leuchter lassen sich mittels einer Vorrichtung zu
Reinigungszwecken auseinandernehmen.

Die zweite Eigenschaft haltbaren Stoffes in gediegener Verarbeitung ist
gewährleistet durch den Namen Bruckmann, in dessen Werkstätten die
Leuchter gefertigt wurden. Stellen diese weltbcrüluuten Werkstätten fast aus-
schließlich nur Silberwaren her, so haben sie durch die Verarbeitung der
Leuchter ihr Entgegenkommen und ihr Können bestens bekundet. Zweckmäßig-
keit und Gedieaenheit. Echtheit und Ehrlichkeit bedeuten, wenn vermählt,
meist auch schon Schönheit. Das zeigen die 20 Leuchter deö Heilbronner Hoch-
altares, die auf der einfachen Marmormensa ungemein festlich wirken, zumal
dann, wenn die Tagessonne durch den Farbenteppich des Paulweberschen
Glasfensters aeheimnisvoll gedämpft, die Kugeln und die Schäfte der kerzen-
geschmückten Lichtträger leis und laut gleich Klängen und Gesängen umwogt;
oder wenn auf ihrem goldschimmernden Kleid das künstliche Licht, aus verbor-
genen Tiefen brechend, seine Gluten funkeln und spielen läßt. Da sind die
Leuchter nicht bloß Träger des Lichtes, sondern auch Lehrer des Lichtes und ver-
binden mit der Demut des Dienens am Altar den Adel sieghafter Glaubens-
verkündigung. Die vom Künstler eingehauckte Leuchterseele ist froh erwacht
und weitet Her; und Sinn der frommen Beter, die in dem Schönen den
Schönsten erblicken. -

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