Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

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Literatur.

Karrer, £)., Antonius von Padua: Wie
man das selige Leben finde, l 2°,
2C0 S. München 1927, Jos. Müller.
Halblw. 3.60 M.

Daß die Ars sacra und der so sich be-
titelnde Münchener Verlag mit seinen
künstlerisch auSgcftatleten Andachtsbüchern
zu einer Via sacra werden kann, zeigt das
neue, dem Heiligen von Padua gewidmete
schmucke Bändchen. Von dem vielverehrten
LieblingSheiligcn des Volkes bandelt das
achte Bändchen dieser Serie von „Winken
und Worten der Heiligen auf dem Wege zu
Gott". Der erprobte Herausgeber schickt
den sorgsam auSgewählten und lesbar über-
setzten Predigten des großen Volksredners
eine auf ernster Forschung beruhende Ein-
leitung voraus und läßt uns „den gcsckicht
lichen Antonius, befreit von dem drückenden
und verwirrenden Rankenwerk allzu üppiger
Legende schauen. St. Antonius verliert
nicht, er gewinnt ... Antonius hatte das
Mißgeschick, nach seinem Tode der Patron
für Irdisches zu werden, der zu feine»
Lebzeiten mit all seiner Kraft im Dienste
des Gottcsreichs gestanden." Als Prediger
des Gottesreichs, als Pfadfinder zum ewi-
ge» Leben kann der treue Schüler des bl.
Franziskus für die Leser und Bcfolgcr sei
ner Worte auch heute noch dienen. Das
schmucke Gewand, die >5 Bilder alter Mei-
ster aus dem Antoniusleben, der schöne Off
sct- und Tiefdruck locken zu solch lohnender
Lektüre.

Karrer, £)., Gott in uns. Die Mustik der
Neuzeit. 8", 396 S. München 1927,
Jos. Müller. Lbd. 6.80 M.

Mir diesem dritten Band erhält Otto
Karrers Terigcschichte der katholischen Mv-
stik ihren Abschluß. Auch bei der Auswahl
der mystischen Schriftsteller der Neuzeit
verrät er eine ebenso glückliche Hand wie
bei den zwei vorangegangenen Bänden:
Der mystische Strom (von Paulus bis
Thomas von Aqui») und Die große Glut
(Mittelalterliche Mystiker von Franz von
Assist bis Nikolaus von Cucs). In form-
vollendeter Übersetzung, durch fein abge-
stimmte Einleitungen treffend charakterisiert,
sprecken die Hauptvertreter der spanische»

Mystik des > 6. Jahrhunderts von Ignatius
von Loyola bis Johann vom Kreuz, der
französischen Mystik von Franz von Sales
bis Fenelon, und schließlich der europäischen
Mystik des letzte» Jahrhunderts zu uns.
Die Tatsache, daß in diesen einen ganzen
Stoß neuzeitlicher Erbauungsliteratur auf-
wiegende» Band auch I. A. Möhler (Seite
230—241) mit Abschnitte» aus des großen
Tübingers Schriften über die Einheit der
Kirche, die Symbolik tind die neuen Unter-
suchungen ausgenommen ist, sowie 17 Bilder
in Kupfertiefdruck, Porträts und Darstel-
lungen mystischer Vorgänge von Meistern
von va» Evk bis Fuget, erhöhen de» Wert
des Buches, deffen Herausgeber wie Ver-
leger bei ihrer Arbeit sich mit Recht der
Tatsache beugten, daß der heutige Mensch
wieder viel auf die F o r m hält — auch im
Andachtsleben.

Im gleichen Verlag erschien 1927
Franz von Sales „Philothea", Anleitung
zum religiösen Leben. Übersetzt und
herausgegeben von Otto Karrer. 12".
318 Seiten Text und 16 Bilder in
Kupfertiefdruck. Ganzleinen (blau oder
schwarz) 4 Mk.

„Der hl. Franz von Sales, Bischof von
Genf-Annecy, schrieb für die Weltleute ein
Büchlein zur Anleitung zum religiösen Le-
ben, die sog. Philothea. Wohl konnte Phi-
lothea wie im Triumph durch die Jahrhun-
derte ziehen, aber können wir es auch noch
dem modernen Menschen in die Hand gebeu t
Franz von Saleö schrieb der Geschmacks-
richtung des 17. Jahrhunderts entsprechend,
so manches Beiwerk ist heute veraltet. Keine
ermüdenden Wiederholungen, keine Selbst-
verständlichkeiten des Zusammenhanges,
keine weitschweifigen komplizierten Perio-
de» — sondern ein durchsichtiges Satzge-
füge, einen leichten klaren Fluß der Ge-
danken verlangt der deutsche Leser von einem
Erbauungsbuch; dazu ein duftiges, gefälli-
ges Gewand. In der Hand des Sprach-
künftlers Otto Karrer und in den Werkstät-
ten des Verlages „Are sacra" ist Pbilo-
thea wie neugeboren. Sechzehn trefflich
wiedergegebene Bilder von ersten Meister»,
Tizian, A. della Robbia, Albertinelli, Ma-

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